Fridays for future?

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Protestbewegungen: Party und Events für die Zukunft?

Im Jahr 2012 orakelte der »Club of Rome« in seinem Bericht »2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre«, dass es bereits in den 2020er Jahren zu großen politischen und ökonomischen Umwälzungen kommen wird. Das die anfälligen Entscheidungen für den Klimaschutz, genauer gesagt die Klimarettung, durch die politischen Entscheidungsträger allein aus der Einsicht in die Notwendigkeit noch gefasst werden würden, daran glaubt nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte aus der Klimawissenschaft kaum noch jemand. Die letzte Hoffnung sei daher eine Art »Weltbewegung für den Klimaschutz«, welche diese politischen Entscheidungen erzwingen würde. Seit nun etwa einem Jahr gehen unter dem plakativen Motto »Fridays for Future« jeden Freitagvormittag Schülerinnen und Schüler für möglichst umfassende und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen auf die Straße, statt brav in den Unterricht. Ist dies bereits die erhoffte Weltbewegung?

Um es vorweg zu nehmen – in dieser Form ganz eindeutig »nein«. Es sind drei Ursachen, die einen Erfolg der Bewegung sicher verhindern und die in dieser Auseinandersetzung richtungsweisend aufgezeigt werden. Möglicherweise gelingt es der Bewegung sich progressiv neu auszurichten, damit der jetzige, nahezu unwirksame Protest in echten Widerstand überführt werden kann – denn einfach ewig auf die Straße zu gehen, wird nicht funktionieren. Die angeführten Kritikpunkte beziehen annäherungsweise ebenfalls alle anderen, sogenannten sozialen Protestbewegungen, wie bspw. »Extinction Rebellion«, »Ende Gelände« oder FFF-Unterstützergruppen wie »Artists for Future«, »Entrepreneurs for Future«, »Parents for Future«, »Scientists for Future« und so weiter, ein.

Ursache 1 – falscher Ansatzpunkt

Beginnen wir beim grundsätzlichen Missgriff, dem falschen Ansatzpunkt. Eigentlich weiß es jeder und einige sind sich auch der auslösenden Zusammenhänge bewusst: Unvermeidliche Bestandteile der kapitalistischen Ökonomie sind die rücksichtslose Ausbeutung der Natur und die systematische Verelendung von immer mehr Menschen. Wir, in den Zentren des Kapitalismus, etwa 10 Prozent der Menschheit, leben schon lange ganz auf Kosten der anderen und verbrauchen fast die Hälfte der weltweiten Ressourcen. Es ist nicht einmal erforderlich besonders tiefgründig zu forschen, um zu erkennen, dass die Ursachen des menschengemachten Klimawandels (und nahezu aller anderen negativen ökologischen sowie sozialen Symptome) in den Produktionsbedingungen dieser Wirtschaftsform zu suchen und zu finden sind, welche wiederum aus den grundlegenden Ablaufmechanismen der kapitalistischen Wirtschaftsform entspringen. Dennoch konzentriert sich nahezu der gesamte, ohne Frage berechtigte Protest, auf einzelne, herausgepickte negative Aspekte – in diesem Falle der Klimawandel – für die dann politische Lösungsentscheidungen eingefordert werden. Nicht nur, dass der Blickwinkel so nur auf der Symptomebene verharrt und die auslösenden Mechanismen dabei nahezu unkritisiert und außer Acht, auf jeden Fall aber unangetastet bleiben, nein, diese Kinder fordern von denen Lösungen ein, die jahrelang jegliche Maßnahmen zum Klimaschutz verwässert, verschleppt und sabotiert haben und es bis heute tun. Das ist natürlich absurd. Wenn Greta Thunberg vor diversen Parlamenten spricht und medienwirksam durch die Welt jettet und dazu noch nebenbei Brunnen baut, mag das ja für sie ein erhebendes Gefühl sein, aber unter Berücksichtigung der Fakten über die Verantwortlichkeiten für den Klimawandel wirkt dies eher infantil. Dies ist das Verweigern der Kenntnisnahme von Gründen.

Kapitalismus wird von der Protestbewegung zwar kritisiert, diese Kritik ist aber zumeist mit der Hoffnung (und dem anerzogenen Glauben) verbunden, den Kapitalismus zu einer humanen, ökologischen Ökonomie reformieren zu können. Begleitet wird dies durch eine diffuse Technikgläubigkeit, welche seit den 1970er Jahren bekannt ist, und bei der es die (zukünftige) Technik schon irgendwie richten wird. Dass die junge Generation dies glaubt, kommt nicht von ungefähr – der Einfluss neoliberaler Think-Tanks auf nahezu alle Lebensbereiche der Menschen haben es dieser Generation in ihre Köpfe gehämmert, dass der freie Markt im Wettbewerb – und nur dieser – die Lösung für alles parat hält. Und dass studierende (nicht nur der Wirtschaftswissenschaften) dies ebenfalls glauben, ist ebenfalls von langer Hand vorbereitet und umgesetzt worden: In den letzten 30 Jahren hat sich an den Hochschulen viel verändert. Konzerne, Unternehmen und Arbeitgeberverbände greifen hier massiv in die Hochschulpolitik ein und reden sogar in den Führungsgremien direkt mit. Sie bestimmen, was und wie unterrichtet wird, denn wer das Geld hat, sitzt in Zeiten immer knapper werdender Gelder am Drücker. An den Hochschulen hat sich eine regelrechte Gleichschaltung vollzogen – an allen Schlüsselpositionen sitzen tiefdunkel gefärbte Neoliberale mit entsprechenden Lerninhalten. Bewerbungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich nicht dem herrschenden Strom zuordnen lassen, werden teilweise noch nicht einmal in den Auswahlverfahren mit einem Eingangsvermerk versehen. Von den sechs großen, wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten wurde das letzte Institut 1999, mit der Freistellung des Konjunkturforschers Gustav Adolf Horn, auf rein kapitalismusgläubige Linie gebracht.

Dass das kapitalistische System aber nicht reformierbar und zu einer ökologisch verantwortungsvoll agierenden Ökomonie umzubauen ist, liegt an seinen inneren Gesetzmäßigkeiten. Bedauerlicherweise wissen über diese theoretischen Prozesse die wenigsten Bescheid. Das wohl grundsätzlichste Problem des Kapitalismus ist das der tendenziell sinkenden Profitrate – und dieses Problem ist zudem unlösbar und produziert in schöner Regelmäßigkeit Krisen, welche in ihrer Heftigkeit zunehmen. Schon allein deswegen wird keine Regierung eine soziale oder ökologisch positive Änderung umsetzen, wenn dieses Vorhaben auch nur weitere 0,5% der Profitrate für sich beansprucht. Die jungen Menschen wären gut beraten langsam zu erkennen, dass die politischen Entscheidungsträger, als ideeller Gesamtkapitalist eines jeden kapitalistischen Landes, nichts anderes im Sinn haben können, als eine maximal-mögliche Profitrate und sie daher auch niemals das Ziel hatten, die eigene Ökonomie, welche sich in der Weltmarktkonkurrenz ja behaupten muss, ökologisch oder sozial gerecht zu gestalten, weil dies immer zu Lasten der Profitrate ginge.

So wird sich grundsätzlich lieber an Schimären wie der sogenannte ›Green New Deal‹ oder an die Heilsversprechen des ›Keynesianismus‹ geklammert. Letzterer ist zwar in der Lage, kurzfristig hier und dort ein wenig Linderung zu verschaffen, aber die unvermeidbare Krise fällt dafür später umso heftiger aus. Außerdem bewahrt der Keynesianismus Mensch und Natur nicht vor Ausbeutung.

Der gesamte Protest dieser Gesellschaft leidet am sogenannten ›kapitalistischen Realismus‹ (Mark Fisher), nach dem es sich der Mensch eher vorstellen kann, dass die Welt untergeht, als dass der Kapitalismus überwunden wird. Und so ist fast alles, was wir an scheinbar fairen, nachhaltigen, regionalen, gemeinnützigen und/oder biologischen Aktionen, Gründungen oder Aktivitäten sehen, nur ein Trugbild einer herbeiersehnten, umfassend neuen, gerechten Welt. Da passt es nicht zuletzt in unsere Zeit, in der die Kultur- und Eventindustrie herrscht, dass viele Aktivitäten nebenbei zudem noch als szenische Selbstdarstellungsplattform, Attitüde oder Alibi herhalten müssen. Es ist halt immer noch irgendwie sexy, links zu sein.

All diese pseudo-links-grün-sozialen Trugbilder ändern aber nichts an den grundsätzlichen, zerstörerischen Mechanismen dieser Wirtschaftsform und wo ›Upcycling‹ und ›Transportpalettenverwertung‹ enden, sehen wir am Transportpaletten-Möbel-Angebot in den Baumarktketten usw. Solange Produkte lediglich für die Mehrwertgewinnung produziert werden, anstatt für das menschliche Bedürfnis selbst, ist echte Wandlung unmöglich.

Schlussendlich heißt all dies, dass sich Protest in erster Linie gegen das kapitalistische System und sich nicht allein gegen die daraus zwangsläufig entstehenden Symptome richten muss – zumindest dann, wenn wirklich nachhaltig vorgegangen werden soll. Leider durchblicken viele der protestierenden Mittelstands-Kids diese Zusammenhänge überhaupt nicht und viele der älteren Protestler teilen dieses Schicksal mit ihnen. Wir sollten es ihnen sagen – aber ob sie zuhören werden?

Ursache 2 – Die Widerstands-Illusion

Die zumeist jungen Menschen, welche sich an den Freitagen oder anderen Aktionen auf der Straße versammeln, sind ja, wie bereits angedeutet, Kinder dieses Systems. Von frühster Kindheit an sind diese mit den Verhaltensnormen des Mainstreams und seiner Kultur- und Eventindustrie aufgewachsen. Dieser jahrzehntelange Einfluss der kapitalistischen Moderne hat sich tief in diese Gesellschaft eingeschrieben. Sie beeinflusst und formte die zwischenmenschlichen Beziehungen, lenkt die Bedürfnisse der Menschen und unterzieht alles dem Zwang der alternativlosen Eigennutzabwägung. Der diesem System zu Grunde liegende Wettbewerb fordert von seinen Teilnehmern freiwillige Unterwerfung als Maxime und hat sie dazu gebracht sich selbst eifrig zu einem Zahnrad zu verstümmeln, welches mit der geringstmöglichen Reibung funktioniert. Die in dieser Wettbewerbsgesellschaft zwangsläufig gelebte ›repressive Toleranz‹ (Herbert Marcuse) dient dabei den Interessen der Macht. All dies bedeutet, dass der sich formierende Protest, so begrüßenswert er ist, grundsätzlich auf diesen anerzogenen und erlernten Verhaltensnormen aufbaut und sich daher auch nur innerhalb dieses Systems, mit den Spielregeln dieses Systems ausdrückt.

Und genau das ist es, was wir beobachten müssen, wenn wir auf die FFF und andere Aktionsformen blicken: Mittelstands-Kids aus den satten, bürgerlichen Milieus, welche sich in ihrer Hilflosigkeit und in ihren simuliert nachhaltig-biologisch-korrekten Leben, in ihren selbstverliebten Aktionen, Initiativen und ach so originellen Kampagnen selbst feiern und ihre Freizeit gestalten, am nächsten Morgen aber von Neuem in die (System) Schulen strömen, um später schlussendlich mit bestmöglichen Abschluss ihren lukrativen Platz in diesem System, dem kapitalistischen Verwertungssystem, der Ursache allen Übels, zu finden (und es somit zu reproduzieren).

Dieser Protest ist dementsprechend nichts anderes, als unglaubwürdiger Aktionismus und dazu muss sich diese Protestbewegung auch die Frage gefallen lassen, weshalb sie erst jetzt auf der Bildfläche erscheinen. Heute, nachdem wir auch hier gefühlt mal gerade drei deutlich wärmere Sommer erleben durften, während in Teilen von Asien bereits die Klimalichter ausgehen. Wir wissen seit 30 Jahren vom Klimawandel und Paris liegt auch bereits über drei Jahre zurück und wir wissen auch, dass es heute bereits für wirksames Handeln zu spät ist – 2020 hätte der Kohleausstieg in trockenen Tüchern sein müssen, wenn das 1,5 Grad-Ziel noch gehalten werden sollte. Inzwischen kippen die ersten ›Tipping Points‹, die Kacke dampft also bereits beträchtlich, und der Klimawandel ist nicht mehr im gerade noch verträglichen Rahmen aufzuhalten. Es zeigt sich charakteristisch für diese zentrovertierte Gesellschaft, dass sich erst dann Protest regt – wenngleich brav verhalten – wenn der Makrokosmos in den eigenen kleinen Mikrokosmos einschlägt. Und wenn Protest dann doch tatsächlich irgendwann anrollt, dann findet dieser Protest auch noch vollkommen am Ernst der Sache vorbeigehend in Form von Events statt – Protest kann aber keine Party sein, wenn es für Millionen von Menschen um das nackte Überleben geht.

Um diese zerstörerische Ökonomie gegen etwas besseres zu ersetzen, bedarf es einer Gegenmacht in Form von ernsthaftem Widerstand. Solange Aktionen oder Demos aber in Form der Oberflächlichkeiten der Kulturindustrie und des Event Marketings ablaufen oder nur einmal in der Woche stattfinden, ist dies das genaue Gegenteil der erforderlichen Gegenmacht. Das ist harmlos, ungefährlich und letztlich nur der hilflose Versuch, der uns allen permanent in dieser bürgerlichen Gesellschaft aufgezwungenen Erscheinungsform der Untertänigkeit, der Selbstverharmlosung und der Selbstinfantilisierung gerecht zu werden, wie es Thomas Ebermann einst so prägnant beschrieb.

Wirkung hat dieser Protest nicht. Außer vielleicht, dass sich die Protagonisten besser fühlen – schließlich tun sie ja etwas – aber auch, wie bereits erwähnt, weil Attitüden und Selbstdarstellung großzügig ausgelebt werden können. Es wird „Revolution gespielt“, was von vielen, gefangen in den engen Grenzen ihres durchgetakteten Lebens aus Schule/Uni, Leistungsdruck und Angst vor dem Versagen/Abstieg, als Befreiungsschlag wahrgenommen und gefühlt wird. Eine Illusion, aber das Gemeinschaftserlebnis fühlt sich gut an. Protest aber wird nur dann zum wirkungsvollen Widerstand, wenn sauber zu Ende gedacht wird: Es gilt „radikal“ zu sein (von lat. „radix“ = Wurzel, also an die Wurzel gehend). Wir sollten es ihnen sagen – aber ob sie zuhören werden?

Ursache 3 – Integration, Kanalisation, Vereinnahmung

Die zumeist jungen und dadurch zwangsläufig lebensunerfahrenen Protagonisten der Fridays for Future oder der anderen sozialen Bewegungen, haben zu alledem ebenfalls nicht realisiert, in welcher Maßgeblichkeit sie als Spielfiguren, als Teil des Gesamtsystems, fungieren und missbraucht werden. Fernerhin ist ihnen in der Abgeschlossenheit ihrer Echokammern, unter „ihresgleichen“, überhaupt nicht gegenwärtig, wie isoliert sie vom „großen Ganzen“ doch im Endeffekt sind. Diese Behauptung der Abgetrenntheit hält selbst dann Stand, wenn sich möglicherweise eine Million Menschen oder mehr auf die Straßen begeben sollten. Dies zu erkennen, fällt naturgemäß den Protestlern als Teil einer solch möglicherweise stattlichen Gruppe von Menschen schwer, aber sie sind isoliert und sie bleiben es. Der Grund dafür wurde bereits erwähnt – der kapitalistische Realismus lässt nahezu alle Menschen glauben, dass es eine Gesellschaftsordnung fernab des Kapitalismus nicht geben kann. Der Kapitalismus aber müsste, wie bereits erläutert, überwunden werden, wenn es wirklich einmal grundlegend besser werden soll.

Ohne diese Massenbasis, welche das Ganze dieser Gesellschaft aufgreift, ist eine echte Revolution jedoch unvorstellbar. Solange diese Massenbasis sich aber lieber in Illusionen einer „sozialen Marktwirtschaft“, „Keynesianismus„ oder des „Green new deals“ hingeben, anstatt den ganz großen Schritt zu wagen, wird sich abgesehen von kleinen Veränderungen und Zugeständnissen hier und dort nichts nachhaltig verändern können. Es klingt hart, aber die ganz große Mehrheit dieser Gesellschaft will dieses System. Sie wollen es deshalb, weil sie glauben, es sei neben all seinen Desastern und Unglücken noch immer das beste aller Systeme und zugleich ist es auch das System, welches ihnen selbst am meisten konsumistische und kultur- und eventindustrielle Möglichkeiten und Optionen bietet.

Dieses Faktum haben alle Protestbewegungen der letzten 50 Jahre vollkommen falsch eingeschätzt bzw. verleugnet. Und daher machten auch alle Protestbewegungen bis heute, die gleichen Fehler. Blind und besoffen von den eigenen, oft selbstverliebten Aktionen, nicht selten im einem eingebildeten Bewusstsein, dass sie es besser könnten, als die Vorgenerationen, fühlen sie sich als eine Art Avantgarde von weiterdenkenden Vorreitern einer besseren Zeit. Es dauert meist nicht lange, bis sie von Medien und anderen Institutionen vereinnahmt werden.

In ihrem Rausch bemerken sie gar nicht, wie und wofür ihr Protest vom Repressionsapparat des Systems strategisch und wohlüberlegt benutzt wird. Der Protest wird in einem begrenzten Rahmen zugelassen, um den Veränderungsenergien der Protestler einen Spielraum zu bieten, in dem sie ihre Empörung artikulieren können und diese so die Illusion erhalten, beachtet zu werden. Das sind Abklingbecken, die überdies weitere Funktionen erfüllen. Denn das dieser niedrigschwellige Protest dabei gleich auf sein Gefährdungspotenzial für das System bewertet wird und dieses „Zulassen“ dieses Protestes zudem auch noch als Legitimation für das Funktionieren unserer Demokratie-Illusion herhalten muss, in der ja sichtbar jeder offen seine Meinung auf der Straße äußern darf, entgeht ihnen obendrein.

In diesen Abklingbecken wird der Protest in das System integriert, kanalisiert und letztendlich ins Leere geführt. Dieses „einerseits zulassen, andererseits verpuffen lassen“, hat für die meisten Protestierenden zur Folge, dass sich in ihnen im Laufe der Zeit das Gefühl festsetzt, dass sie sowieso nichts verändern können. Die Endstation: Die systemgewünschte Resignation und (Wieder) Anpassung in das System. Wir sollten es ihnen sagen – aber ob sie zuhören werden?

Fazit und Ausblick

Der Blick in die Geschichte macht deutlich, dass keine soziale oder ökologische Errungenschaft, welche die Profitrate schmälert (oder schmälern könnte), je von einer Regierung freiwillig in ein Gesetz gefasst worden ist. Alle Veränderungen mussten stets im Kampf den Kapitalinteressen abgetrotzt werden. Es geht, wenn etwas nachhaltiges erreicht werden soll, also um Kampf. Das sollten wir den Kindern und jungen Menschen sagen, wenn sie auf die Straße gehen und die Schule oder Uni schwänzen.

Wenn sie es aber mit ihrer Veränderungsenergie ernst meinen, sobald aus Protest also Widerstand wird, sobald dieser kontinuierlich und unangemeldet abläuft, sobald er außerhalb der durch das System vorgegebenen Spielregeln stattfindet und zudem vielleicht dann sogar dem System inhaltlich gefährlich werden könnte – sobald der Protest also nicht mehr zu kanalisieren und zu integrieren ist, ist es schnell vorbei mit dem angeblichen Recht auf Protest und es wird zwangsläufig zu einer Konfrontation mit den Ordnungsorganen des Staats (als Schützer des kapitalistischen Systems und der Besitzstandsverhältnisse) kommen. Wie die Polizei so etwas dann gestaltet, konnte bei unzähligen Demonstrationen von den 1960er Jahren bis zum Hambacher Forst 2018 bestaunt werden.

Auf der Straße, ob friedlich oder in Militanz (obgleich Militanz strategisch sinnvoll sein kann), liegt also offenbar nicht die Lösung parat.

50 Jahre Straßen- und Aktionsprotest haben vielleicht hier und dort einige Modifikationen erwirken können, aber das grundsätzliche Schad-Model, diese Ökonomie, blieb stets unangetastet. Im Gegenteil, dieses System wütet heute schlimmer, als jemals zuvor in der Welt. Solange die ökonomische Grundversorgung (Konsum) der Massenbasis einigermaßen sichergestellt war, wurde noch nie über die Straße das Ganze der Gesellschaft, eine Massenbasis, erreicht, geschweige denn mobilisiert. Der Hebel muss also anders angesetzt werden.

Bei diesen Überlegungen tut sich am Ende nur ein erkennbarer Weg für eine Änderung der bestehenden Verhältnisse auf: Die große Verweigerung. Einfach gar nichts mehr tun, statt wildem Aktionismus.

Der bekannte Sponti-Spruch der 1980er-Jahre „Stell dir vor es gibt Krieg und keiner geht hin.“ beinhaltet sinngemäß die simple und zugleich sauschwere Lösung: Dieses System muss unvermeidlich zusammenbrechen, wenn sich ihm genug (systemrelevante) Menschen entziehen und nicht mehr darin mitwirken.

Wer heute noch glaubt, dass es (durch Demos und Aktionen in der Form von Events etc.) gelänge, einer bürgerlichen Massenbasis vernunftbasiert abzuverlangen, ihre Ratenzahlungen für Haus und Auto oder die Ausbildung der Kinder zu gefährden, ist ziemlich naiv. So ist es gewiss tröstlich, dass diese Massenbasis dazu auch gar nicht gewonnen werden muss. Nein, diese Massenbasis wird einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, nämlich die Tatsache, dass der Kapitalismus (einfach) ab sofort nicht mehr stattfindet.

Erreichen kann dies tatsächlich eine ganz bestimmte, zahlenmäßig kleine Gruppe von Menschen, da diese eine besondere Schlüsselposition innerhalb dieses Gesellschaftssystems inne haben bzw. bald inne haben werden und überdies noch am flexibelsten von allen in der Bevölkerung erscheinen. Es sind genau die selben (jungen) Menschen, die sich schon jetzt jeden Freitag treffen, um ihren Unmut, wenngleich zumeist inadäquat in Eventform, zu äußern bzw. die jungen, im Regelfall studentischen Aktivisten, in ihren anderweitigen, gleichermaßen zahnlosen und oft auch dem Ernst der Lage unangemessenen Aktionen. Allerdings müssten sie es ab sofort richtig machen.

Es ist simpel. Wenn sich Studierende nicht mehr mittels auf Linie gebrachter Kapitalismus-Kader-Hochschulen einer kapitalistischen Wirtschaft anbiedern wollten, gehen für diese Wirtschaft die Lichter aufgrund fehlenden Führungsnachwuchses sehr schnell aus. Das gleiche gilt für die noch jüngeren. Wenn diese sich weigern würden weiterhin auf diese Schulen zu gehen, dann bräche im Establishment erst das große Zittern aus, und wenn die Kiddys es durchhalten würden, das System sehr schnell zusammen. Dies wird aber wohl bemerkt nur funktionieren, wenn diese gar nicht mehr zur Schule oder in den Hörsaal gehen! Nicht nur ab und zu oder einmal in der Woche ein Event gestalten. Generalstreik des Nachwuchses der (sogenannten) Eliten – und es heißt Feierabend Kapitalismus!

Sie könnten es tatsächlich schaffen. Sie haben die Schlüsselposition inne, sind noch nicht wirtschaftlich im System festgesetzt und noch relativ flexibel. Sich dem System entziehen und es öffentlich machen, warum sie es tun – das ist die Lösung und der Weg.

Das könnte sich für studierende dann in etwa so anhören: „Ich lasse mich nicht mehr in diesen Hochschulen ausbilden, da der einzige Zweck dieser Hochschulen (seit der Bologna-Reform) darin besteht, unkritische Schmalspur-Absolventen für den kapitalistischen Arbeitsmarkt zu produzieren. Ich soll später in einer Führungsposition dieser zerstörerischen Wirtschaftsform diese reproduzieren und zudem maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass diese unvernünftige Art zu wirtschaften weiterhin den Planeten und viele seiner Menschen zerstört. Nicht mit mir!“

Der Weg ist prinzipiell trivial. Theoretisch. Wenn da zum einen nicht die große Angst wäre, im Rattenrennen des Wettbewerbs auf der Strecke zu bleiben, falls nicht alle mitziehen würden. Und zum anderen die Vorzüge dieser Wirtschaftsform und seiner Kulturindustrie, hier in den Zentren des Kapitalismus, für einen selbst nicht so verlockend wären. Und zuletzt bleibt da noch die Frage – was kommt nach dem Kapitalismus, wenn er erst mal zusammengebrochen ist?

Darin besteht die große Aufgabe dieser Protestgeneration: Sich der drei grundsätzlich fehlerhaften Grundannahmen bewusst zu werden, alle Attitüden abzulegen, um dann Einigkeit und Mut unter den jungen System-Nachwüchslern für die große Verweigerung zu Stande zu bringen.

Viel Erfolg.

Nun haben wir es ihnen gesagt – ob sie zugehört haben?


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Faktenliste Klimawandel: Die Menschheit wird nicht überleben, wenn sie ihre Verschwendung und Kurzsichtigkeit fortsetzt.

Handelst du schon oder machst du weiter wie immer? Diese Frage stellt sich eindringlich und mitlerweile unaufschiebbar, denn die Fakten und Zahlen zeigen uns, dass sich essenziell nichts ändert. Seit den frühen 1980er Jahren ist einer breiten Mehrheit bekannt, was durch den Klimawandel auf die Menschheit zu rollt, aber ein übergreifendes Umdenken findet nicht statt. Unbeeindruckt der aktuellen Zahlen und Fakten wird weiterhin auf Teufel komm raus in der Weltgeschichte herum geflogen, weil wir ja alle so weltoffen und Kosmopolit sind oder der nächste SUV angeschafft, weil es ja so angenehm ist, hoch zu sitzen. Anlässlich des G20-Gipfels letzten Juli 2017 in Hamburg haben KlimaexpertInnen die aktuellen Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammengefasst und diese Fakten machen inzwischen richtig Angst.

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Trumpenstein und Co. vs. Vernunft und Wissenschaft

Während US-Präsident Donald Trump per Dekret Naturschutzmaßnahmen zugunsten von Wirtschaftsinteressen abschaltet und das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigt, fordert die deutsche CDU-Rechte den Abschied von den deutschen Klimazielen während VW, Audi und Porsche weiterhin fleißig Abgaswerte manipulieren. Das kann nur Satire sein.

Das wäre schön. Nur leider ist dies die Realität. Eine Realität, welche wir bereits direkt nach dem Pariser Abkommen vorausgesehen und mehrfach angekündigt haben.

Nein, nein, diese Voraussage hat weder etwas mit »Glaskugel« oder Verschwörungstheorien zu tun, sondern vielmehr mit der Kenntnis über die inneren Mechanismen der vorherrschenden Ökonomie – dem Kapitalismus. Dieser ist durch seine Produktionsbedingungen direkt verantwortlich für den Klimawandel und der Kapitalismus, so anpassungsfähig er bislang gewesen sein mag, kann eines nicht – seinen eigenen ökonomischen Gesetzen entkommen. Weiterlesen

»Sie kriegen weniger Parklücken. Aber mehr Respekt.«

Ganzseitige Werbeanzeige des Autovermieters STARCAR im Magazin der Handwerkskammern „Nordhandwerk“: Rückwärtsgewandt, unzeitgemäß, vermufft und zopfig. Peinlichkeitsfaktor auf maximal.

Das Jahr 2016 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Sämtliche Datensätze der Oberflächentemperaturen stimmen darin überein und ebenso gilt dieses für alle Satellitendaten über die Temperaturen der Troposphäre. Drei Rekordjahre in Folge (2014, 2015 und 2016) hat es noch nie gegeben und laut NASA hat unser Planet 16 seiner 17 wärmsten Jahre seit 2001 erlebt. Der menschengemachte Klimawandel ist real und er läuft genau so ab, wie es bereits in den frühen 1990er Jahren durch die Klimawissenschaft vorher gezeichnet wurde. Dabei wissen wir alle längst, was zu tun ist, um die katastrophalsten Auswirkungen des Klimawandels vielleicht doch noch abmindern zu können: Wir müssen aufhören die fossilen Brennstoffe, in denen der Kohlenstoff aus der Luft von Millionen von Jahren gespeichert ist, zu verbrennen. Was in Millionen Jahren angesammelt wurde, setzen wir innerhalb von 50-100 Jahren wieder frei. Das kann (natürlich) nicht ohne Folgen bleiben.

Wir wissen also was zu tun ist, aber wir lesen stattdessen bis heute, dass immer noch viel zu exzessiv und vor allem unüberlegt das Auto benutzt wird. In Deutschland beträgt der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen fast 20 Prozent und das Umweltbundesamt stellte 2015 fest: »Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte. Weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden und der Trend zu mehr PS und schwereren Fahrzeugen geht, haben die sparsameren Motoren dem Klimaschutz wenig genützt. Im Verkehrssektor muss daher dringend mehr passieren.« Heute wissen wir durch den Abgasskandal zudem, dass die sogenannten »sparsameren Motoren« auch nur eine Mogelpackung der Hersteller waren. Weiterlesen

Die Insolenz der deutschen Automobilindustrie

wissmann

Matthias Wissmann vom Verband der Automobilindustrie ist sich sicher, dass freiwillige Sebstverpflichtungen der Automobilindustrie ausreichen. Foto: Rudolf Simon, CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Deutsche Autobauer zeigen wiedereinmal, dass sie als Dinosaurier ihren Zenit längst überschritten haben. Ob Tricksereien bei der Abgasmessung oder Lobbyarbeit in ihrem Sinne – stets richtet sich das Engagement gegen die Interessen der Allgemeinheit. Wer sehenden Auges Klimawandel und lokale Emissionen fördert, statt alles zu unternehmen, diesen Problemen entgegen zu treten, gehört abgeschafft. Das Gute ist, dies erledigen die unbeweglichen Dinosaurier ganz von allein und das ist gut so. Ein Hoch auf den Untergang dieser deutschen Automobilindustrie.

Ab 2018 definiert China feste Quoten für den Verkauf von Elektroautos. Diese werden stark bevorteilt. Diese chinesische Quote war absehbar, denn die mit Autos überquellenden Metropolen Peking und Shanghai behandeln bei der Zulassung bereits jetzt E-Autos anders als Pkw mit Verbrennungsmotor. Die Deutschen Automobilbauer hätten angesichts der massiven Luftprobleme in Chinas Städten längst damit rechnen müssen, dass die Führung über kurz oder lang Maßnahmen ergreifen wird. Hätten. Weiterlesen

Gesellschaftliche Determinanten

unvernunft

Der große Verbrenner – Unvernunft oder Ausdruck von Freiheit?

Die zentrale Frage, welche wir uns stellen müssen ist, warum diese Gesellschaft nicht in der Lage zu sein scheint, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu erhalten, indem sie von ihrem rapide voranschreitenden, zerstörerischen Einwirken auf die Umwelt ablässt. Die Fakten zum Klimawandel liegen methodisch eruiert, als wissenschaftlicher Konsens ausgebreitet auf dem Tisch – für jeden zugänglich, für jeden verständlich. Dennoch ignorieren breite Teile dieser Gesellschaft die von den Fachleuten der Welt bereitgestellte Diagnose. Wie kann das sein?

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Paris 2015 – der COP21 – ist beendet. Eine Bilanz.

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Aktiv für das Überleben der Menschheit: Greenpeace-Aktivisten © OsvaldoGago / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

von Klimus

Es war das Highlight des Jahres, nun ist er zu Ende – der Pariser UN-Klimagipfel (COP21). Was in Teilen der Presse als »historisch« gefeiert wird, ist lediglich ein »Pariser Scheitern mit Zuckerguß«. Der Text des Pariser Klima-Vertrages ist »voll von Spuren der Industrielobbyisten« und die vorgelegten Maßnahmen reichen längst nicht aus, um den Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad zu halten – schon gar nicht, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es im Vertrag vollmundig beschlossen wurde. Paris bietet einige Ansätze, ist aber (leider) unter dem Strich ein unrealistisches Lippenbekenntnis, ohne den entsprechenden, dafür notwendigen Unterbau.

Spiegelonline feiert den Pariser Vertrag als »Historisches Abkommen«, Barbara Hendricks hat ihn als »historischen Wendepunkt in der Umweltpolitik« gewürdigt, die FAZ spricht vom »Dokument zur Rettung der Welt«, die Zeit sieht in ihm gar »Die schönsten aller französischen Revolutionen« und ein bekanntes Boulevard-Blatt titelt in standesgemäß übergroßen Lettern: »Viele Generationen werden sich an den Gipfel erinnern.« Weiterlesen

Deutschland: Der Etikettenschwindel des Klima-Primus. Eine Analyse.

Deutschland ist entgegen der eigenen Darstellung bedauerlicherweise ein Negativbild im Engagement gegen den Klimawandel. Eine positive Charakterisierung von Bundeskanzlerin Merkel als »Klimakanzlerin« erweist sich als Etikettenschwindel.

90 Prozent der schädlichen CO2-Emissionen muss die Welt bis 2050 einsparen und gleichzeitig überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre entfernen, wenn der Klimawandel und die sich daraus entwickelnden Katastrophen begrenzt werden sollen. In diesem Ziel sind sich die UN-Klimaexperten einig und so haben die europäischen Regierungen kürzlich beschlossen, bis zum Jahr 2030 insgesamt 40 Prozent Treibhausgas-Minderung zu erreichen. Die deutsche Bundesregierung hat darüber hinaus das selbst gesteckte Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, bekräftigt. Diese vollmundige Ansage ist die Grundlage der deutschen »Klimavorreiter-Münchauseniade«. Dies ist keine Meinung, sondern das zeigen die Zahlen des Umweltbundesamtes auf (siehe Grafik):

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Aus diesen Zahlen entnehmen wir zunächst einmal, dass in den verstrichenen 25 Jahren von den anvisierten 40 Prozent immerhin schon 27 Prozent geschafft sind – für die fehlenden 13 Prozent blieben noch 5 Jahre Zeit. Das sieht zwar sportlich aus, aber mit ein bisschen Glück könnte dies vielleicht doch zumindest annähernd geschafft werden – so erscheint es zumindest.

Wenn man aber genauer hinsieht, dann wird deutlich, das Deutschland die anvisierten 40 Prozent definitiv nicht erreichen kann und wird.

Warum ist das so? Beim Betrachten der Kurve fällt auf, dass die größte Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Jahren von 1990 bis 1995 erzielt wurde – insgesamt fast 11 Prozent der bisherigen 27 Prozent – das sind satte 40 Prozent der bisher gesamt erzielten Reduktion, und das in nur 5 Jahren. Leider aber beruhte dieser Fortschritt nicht etwa auf Energieeinsparungen in den alten Bundesländern – im Gegenteil, in den alten Bundesländers legten die Treibhausgasemissionen in diesen Jahren sogar noch zu – sondern resultierte hauptsächlich auf dem wirtschaftlichen Umbruch in den neuen Bundesländern, indem dort alte und marode, schwerst CO2-lastige Industrien und andere Bereiche reihenweise ausgemustert wurden. Nach 5 Jahren war dieser Effekt dann bereits verpufft. Weiterlesen

Vorbereitungsgespräche für Vertragsverhandlungen: Ernüchternde Ergebnisse

UN-Klimakonferenz (hier in Lima 2014). Foto: Daniel Malpica / CC BY-SA 2.0 (via Wikimedia Commons)

Sie bekommen es wieder nicht hin. Bei den Vorbereitungsgesprächen in dieser Woche in Bonn für die Vertragsverhandlungen zum neuen Weltklimavertrag erzielten die Unterhändler nur in einigen, wenigen Detailfragen kleinere Fortschritte. Symptomatisch für das bisherige Versagen ist, dass auch jetzt lediglich Fortschritte darin erzielt wurden, Anpassungsstrategien an die Auswirkungen des Klimawandels zu erläutern und zudem zu definieren, wie Schäden des Klimawandels kompensiert werden können, anstatt sich darauf zu konzentrieren, den Klimawandel selbst aufzuhalten. Dann aber müsste man ans Eingemachte gehen.

Es wird taktiert wie eh und je. Niemand will einen Schritt nach vorne machen, weil dadurch der andere eventuell einen kurzfristigen Wettbewerbsvorteil erhaschen kann. Es ist das selbe, gleichförmige Trauerspiel, welches bereits seit 20 Jahren die notwendigen, beherzten Schritte verhindert. Die Wissenschaft warnt inzwischen zwar immer eindringlicher, dass uns die Zeit davon läuft, in der wir den Klimawandel vielleicht noch begrenzen könnten – erste unumkehrbare Kipppunkte des Klimasystems, die den Klimawandel unaufhaltsam verstärken, sind bereits überschritten, die nächsten stehen kurz bevor – dennoch bekommen es unsere politischen und wirtschaftlichen »Eliten« nicht hin sich von ihren kurzfristigen Gedankenkonstrukten zu lösen und endlich angemessen zu handeln. Weiterlesen

USA: US-Präsident Obamas letzter, großer Kampf?

US-Prsident Obama bei einer Ansprache. Credits: Gabbec / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

US-Präsident Obamas Engagement für ein entschlossenes Handeln gegen den menschengemachten Klimawandel nimmt zu. Schon vor seiner Abreise in den nördlichsten Bundesstaat der USA, Alaska, den er als erster amtierender US-Präsident besucht, hatte Obama gesagt, dass der Kampf gegen die Erderwärmung für ihn oberste Priorität habe.

Eindringlich warnte er vor den Folgen des Klimawandels und forderte mehr internationale Zusammenarbeit, um die Erde zu retten. Der UN-Klimagipfel im Dezember in Paris müsse ein Erfolg werden, sagte Obama. Dabei solle erstmals allen Ländern der Welt die Verpflichtung auferlegt werden, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu senken – nur leider ist ja dies genau nicht in Paris geplant. Paris wird lediglich nur nicht-verpflichtende, jederzeit widerrufbare Beiträge aller Staaten bringen – so ist es in den Statuten festgelegt.

Obama bleibt dennoch unbeirrt und mahnt eindringlich: »Dieses Jahr muss das Jahr sein, in dem die Welt endlich ein Abkommen erzielt, um den einen Planeten zu schützen, den wir haben, so lange wir das noch können«. »In der Arktis«, so Obama weiter, »seien die Folgen der Erderwärmung bereits zu spüren. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Ortschaften drohen zu versinken. Mittlerweile haben Wissenschaftler festgestellt, dass selbst in der Tundra mit ihrem Permafrostboden Feuer ausbrechen. Szenarien wie diese drohten auch Regionen außerhalb der Arktis. Ganze Städte könnten vernichtet werden. Der Klimawandel geschieht hier, er geschieht jetzt. Menschliche Aktivität zerstört das Klima schneller als wir dachten!« Man wisse, »dass menschlicher Erfindungsreichtum etwas dagegen tun kann, aber die Menschheit handle bislang nicht schnell genug«, resümierte Obama. Weiterlesen