»Sie kriegen weniger Parklücken. Aber mehr Respekt.«

Ganzseitige Werbeanzeige des Autovermieters STARCAR im Magazin der Handwerkskammern „Nordhandwerk“: Rückwärtsgewandt, unzeitgemäß, vermufft und zopfig. Peinlichkeitsfaktor auf maximal.

Das Jahr 2016 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Sämtliche Datensätze der Oberflächentemperaturen stimmen darin überein und ebenso gilt dieses für alle Satellitendaten über die Temperaturen der Troposphäre. Drei Rekordjahre in Folge (2014, 2015 und 2016) hat es noch nie gegeben und laut NASA hat unser Planet 16 seiner 17 wärmsten Jahre seit 2001 erlebt. Der menschengemachte Klimawandel ist real und er läuft genau so ab, wie es bereits in den frühen 1990er Jahren durch die Klimawissenschaft vorher gezeichnet wurde. Dabei wissen wir alle längst, was zu tun ist, um die katastrophalsten Auswirkungen des Klimawandels vielleicht doch noch abmindern zu können: Wir müssen aufhören die fossilen Brennstoffe, in denen der Kohlenstoff aus der Luft von Millionen von Jahren gespeichert ist, zu verbrennen. Was in Millionen Jahren angesammelt wurde, setzen wir innerhalb von 50-100 Jahren wieder frei. Das kann (natürlich) nicht ohne Folgen bleiben.

Wir wissen also was zu tun ist, aber wir lesen stattdessen bis heute, dass immer noch viel zu exzessiv und vor allem unüberlegt das Auto benutzt wird. In Deutschland beträgt der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen fast 20 Prozent und das Umweltbundesamt stellte 2015 fest: »Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte. Weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden und der Trend zu mehr PS und schwereren Fahrzeugen geht, haben die sparsameren Motoren dem Klimaschutz wenig genützt. Im Verkehrssektor muss daher dringend mehr passieren.« Heute wissen wir durch den Abgasskandal zudem, dass die sogenannten »sparsameren Motoren« auch nur eine Mogelpackung der Hersteller waren. Weiterlesen

Pariser Klimavertrag: Kritik von führenden Klimawissenschaftlern

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Professor Mojib Latif: „Zu viel Spielraum, zu wenig Konkretes.“ (Bild vom November 2014), Bild: DKK, Stephan Roehl

Der in weiten Teilen der Politik und Leitmedien frenetisch bejubelte Klimavertrag von Paris, steht in der Kritik von führenden Klimawissenschaftlern. Es sei zwar ein starkes Signal, dass die Grenze der Erderwärmung in dem Vertrag auf maximal 1,5 Grad ausgerufen wurde, doch gleichzeitig werden die Maßnahmen, die für dieses Ziel nötig wären, Stück für Stück aus dem Vertragsentwurf getilgt.

Um die im Klimavertrag vereinbarte, begrüßenswerte Obergrenze einhalten zu können, müssten alle Industrieländer bis 2030 bei Null CO2-Emissionen liegen, erklärten die Wissenschaftler. Steffen Kallbekken, Forschungsdirektor des norwegischen Cicero-Instituts, verdeutlicht das Problem zwischen Anspruch und Wirklichkeit: »Das Problem ist nur: Wenn die Welt nach dem möglichen Inkrafttreten des Vertrags im Jahr 2020 damit beginnt, die Marke anzupeilen, ist es längst zu spät. Dann haben wir unser CO2-Budget bereits erschöpft.« Auch Joachim Schellnhuber, Leiter des renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIC), warnt vor den zu schwachen Maßnahmen. Weiterlesen

Faktizitäten zur Kohle

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Rechtzeitig zu Paris: Der Kohleatlas 2015 der Heinrich-Böll-Stiftung. Bild: Heinrich-Böll-Stiftung

In zwei Wochen tagt in Paris die Weltklimakonferenz. Keine Frage, die Welt blickt in diesen Tagen gebannt in eine der schönsten Städte Westeuropas. Sich zum Gipfel die Fakten über Kohle zu vergegenwärtigen, ist hilfreich, denn Braun- und Steinkohle sind die schmutzigsten Energieträger der Welt – keine anderen emittieren mehr CO2.

Um sich einen umfangreichen Überblick über die ökologischen Fakten »der dreckigen Energieträger« zuteil werden lassen zu können, hat die Heinrich-Böll-Stiftung den Kohleatlas 2015 herausgebracht, welcher wohl eine der umfangreichsten, für die Allgemeinheit veröffentlichten Faktensammlungen zur Kohle darstellt. Dieser Atlas ist wichtig, denn vergessen werden darf nicht, dass wenn die Weltgemeinschaft  das Klimaziel von einer maximalen Temperaturerhöhung von 2 Grad nicht verfehlen will – die »2 Grad-Grenze« gilt den Klimaexperten zwar bereits als gravierend, aber möglicherweise noch handelbar -, dann müssen 80 Prozent der bekannten Kohlereserve im Boden bleiben! Überschreitet die globale Durchschnittstemperatur diesen Wert, wird es prekär.

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Deutschland: Der Etikettenschwindel des Klima-Primus. Eine Analyse.

Deutschland ist entgegen der eigenen Darstellung bedauerlicherweise ein Negativbild im Engagement gegen den Klimawandel. Eine positive Charakterisierung von Bundeskanzlerin Merkel als »Klimakanzlerin« erweist sich als Etikettenschwindel.

90 Prozent der schädlichen CO2-Emissionen muss die Welt bis 2050 einsparen und gleichzeitig überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre entfernen, wenn der Klimawandel und die sich daraus entwickelnden Katastrophen begrenzt werden sollen. In diesem Ziel sind sich die UN-Klimaexperten einig und so haben die europäischen Regierungen kürzlich beschlossen, bis zum Jahr 2030 insgesamt 40 Prozent Treibhausgas-Minderung zu erreichen. Die deutsche Bundesregierung hat darüber hinaus das selbst gesteckte Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, bekräftigt. Diese vollmundige Ansage ist die Grundlage der deutschen »Klimavorreiter-Münchauseniade«. Dies ist keine Meinung, sondern das zeigen die Zahlen des Umweltbundesamtes auf (siehe Grafik):

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Aus diesen Zahlen entnehmen wir zunächst einmal, dass in den verstrichenen 25 Jahren von den anvisierten 40 Prozent immerhin schon 27 Prozent geschafft sind – für die fehlenden 13 Prozent blieben noch 5 Jahre Zeit. Das sieht zwar sportlich aus, aber mit ein bisschen Glück könnte dies vielleicht doch zumindest annähernd geschafft werden – so erscheint es zumindest.

Wenn man aber genauer hinsieht, dann wird deutlich, das Deutschland die anvisierten 40 Prozent definitiv nicht erreichen kann und wird.

Warum ist das so? Beim Betrachten der Kurve fällt auf, dass die größte Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Jahren von 1990 bis 1995 erzielt wurde – insgesamt fast 11 Prozent der bisherigen 27 Prozent – das sind satte 40 Prozent der bisher gesamt erzielten Reduktion, und das in nur 5 Jahren. Leider aber beruhte dieser Fortschritt nicht etwa auf Energieeinsparungen in den alten Bundesländern – im Gegenteil, in den alten Bundesländers legten die Treibhausgasemissionen in diesen Jahren sogar noch zu – sondern resultierte hauptsächlich auf dem wirtschaftlichen Umbruch in den neuen Bundesländern, indem dort alte und marode, schwerst CO2-lastige Industrien und andere Bereiche reihenweise ausgemustert wurden. Nach 5 Jahren war dieser Effekt dann bereits verpufft. Weiterlesen

So gravierend ist der weltweite CO2-Ausstoß

Herbst und Winter stehen vor der Tür und die Menge der CO2-Emissionen nimmt durch die zu diesen Jahreszeiten steigende Energienachfrage und der Heizperiode stetig zu. Gleichzeitig verlieren die Bäume und Büsche ihr Laub und können so kein CO2 mehr aus der Atmosphäre binden. Was das für den Globus bedeutet, zeigt ein spektakuläres und gleichzeitig erschreckendes, ultra-hochauflösendes NASA Computermodell, welches ein ganzes Jahr im Zeitraffer zeigt.

Die Simulation zeigt auch die Unterschiede in der Kohlendioxid-Konzentration in den nördlichen und südlichen Hemisphäre und die deutlichen Schwankungen der globalen Kohlendioxid-Konzentrationen zum Wachstumszyklus der Pflanzen und Bäume im Wechsel der Jahreszeiten. Das verwendete Jahr ist das Jahr 2006 – das aktuelle Ausmaß dürfte durch die weiter angestiegenen Emissionen allerdings noch gravierender sein.

Weiterführende Informationen zur Simulation direkt auf der NASA-Website.