Kommentar zur Studie des Institus der deutschen Wirtschaft (IW): Energiewende kostet die Verbraucher 28 Milliarden Euro

Haus der Propaganda – Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

von Klimus

Immer wenn Interessengruppen etwas erreichen wollen, wird das Spiel mit der Angst gespielt. Aktuell beginnt das von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft finanzierte ›Institut der deutschen Wirtschaft‹ (IW) eine neue Runde. Das Ziel: Die Energiewende verzögern, am liebsten verhindern, denn wenn es nach den Energieunternehmen und vieler Unternehmen ginge, dann würden sie einfach so weitermachen wie bisher.

Laut einer gestern veröffentlichten Studie des IW, welches auch für das neoliberale Think Tank ›Initiative neue soziale Marktwirtschaft‹ (INSM) tätig ist, solle die Energiewende den StromkundInnen 28 Milliarden Euro kosten und einen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden würde dann nach dieser Rechnung circa 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende zahlen. Das sollte die schockierede Nachricht sein.

Nähmen wir jetzt einfach mal an, diese Zahlen würden so stimmen, was hieße das für einen solchen Haushalt überhaupt? Ein solcher Haushalt mit etwa 4-6 Personen hätte dann 22,50 Euro monatlich weniger zur Verfügung, pro Person wären das also circa 4-5 Euro. Sollten sich angesichts solcher Zahlen die Haushaltsmitglieder lieber gleich einen Platz bei der »örtlichen Tafel« reservieren lassen, oder wäre die Einsicht, dass jedes dieser Haushaltsmitglieder für diesen wirklich lächerlichen Betrag eine lebenswerte Zukunft ohne Klimakatastrophe, giftfreier Luft, giftfreiem Wasser, Artenvielfalt und ganz allgemein weniger Umweltzerstörung erhält, nicht fruchtbringender? Und überhaupt, nimmt man den klimawissenschaftlichen Konsens ernst, so wie dies in anderen Wissenschaftsbereichen vollkommen selbstverständlich ist, dann sind diese 4-5 Euro noch nicht einmal Kosten, sondern eine sinnvolle Investition in die Zukunft – vermutlich sogar die sinnvollste überhaupt.

Vergleichen wir. Als es hieß, dass der deutsche Steuerzahler mit etwa 290 Milliarden (!) Euro für die Bankenrettung belastet wird, was etwa 11 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, hörten wir da das IW oder die Wirtschaft stöhnen und goteske Angstszenarien verbreiten? Die Bankenrettung wurde politisch und mit ausreichend Propaganda als »Systemrelevant« ausgegeben, die Klimarettung ist hingegen Lebensgrundlagerettend – was wichtigeres gibt es wohl nicht. Der ›Club of Rome‹ hat übrigens berechnet, dass mit einer Zukunftsinvestition von etwa nur einem (!) Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts der gesamte Klimawandel kein Problem mehr wäre. Soviel zu der unglaublichen Kurzsichtigkeit »unserer« Wirtschaftselite. Und warum wurden die etwa 60 Milliarden Euro, die durch die für ökologische Zwecke eingerichtete, sogenannte Ökosteuer eingenommen wurden, nicht auch für eben solche Zwecke verwendet, sondern dafür, irgendwelche Haushaltslöcher zu stopfen oder möglicherweise sogar um Kriege zu finanzieren? Wo bleibt hier das IW?

Wahre Kosten der fossilen Energie

Schauen wir doch mal auf die wahren Kosten der fossilen Energie: Das IWF hat vorgerechnet, dass die fossile Energie mit schockierenden (Zitat) 6,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts subentioniert wird. Hier wird weit mehr Geld »investiert«, als in den Gesundheitsbereich. Apropos Gesundheit: Es gibt Studien, die untersucht haben, was die fossile Energie noch an verstecken Kosten mit sich trägt: Allein die Kosten der gesundheitlichen Schäden, welche durch die fossile Energieerzeugung direkt oder indirekt durch Emissionen verursacht werden, betragen ein vielfaches der Investitionen für die Energiewende. Und in diese allgemeinen Kosten sind noch nicht einmal die unglaublichen Summen, die die Folgen des Klimawandels kosten werden, eingerechnet. Die einzigen, die von dieser zerstörerischen Energiegewinnung kurzfristig profitieren, sind die Erzeuger und Teile der Wirtschaft – langfristig profitiert allerdings keiner.

Hausgemachte Problematik auf andere abwälzen

Diese IW-Studie ist eine reine Propagandaveranstaltung, denn eines ist ganz klar – jedwede »höheren Preise« für eine letzten Endes alternativlose Energiewende – zumindest wenn man den Lebensraum Erde erhalten möchte – gehen auf das Konto der Energiewirtschaft selbst. Genau wie die deutsche Automobilindustrie die E-Mobilität aus kurzfristiger Profitgier blockiert, blockierten die Energieversorger den Übergang zu den regenerativen Energien, wo es geht. Die jetzige Kampagne hat nur ein Ziel, das Ruder vielleicht doch noch umzuwerfen, denn die Energiewirtschaft selbst ist es, die die selbstverursachten Kosten tragen muss. Kosten sind aber leider das genaue Gegenteil von Gewinnen und man hätte sie gern anderen aufgedrängt – den StromkundInnen zum Beispiel. Nur wenn man hier einmal genauer hinschaut, dann liegt der Fall leider so, dass ausgerechnet diejenigen, die für den größten Teil der Umwelt- und Klimazerstörung verantwortlich sind, die Großkunden der energieintensiven Industrie, am wenigsten für ihren Strom und die verursachten Umweltzerstörungen zahlen – diese »besonderen Kunden« haben Sondertarife und sind zudem von der EEG-Umlage ausgenommen. Warum dieser Irrsinn? Auch in der Wirtschaft werden Lobbyinteressen gern mit Angst, hier dem »Schreckgespenst des Verlustes von Arbeitsplätzen«, durchgesetzt – bis heute sehr erfolgreich. Das Jammern aus Teilen der Wirtschaft kann ruhig überhört werden , denn eigentlich alle Unternehmen verstehen es, ihre Stromkosten samt Umlagen – sofern betroffen – auf die Kunden abzuwälzen. 

Horror-Szenario »Strombereitstellungssicherheit«

Natürlich agiert das IW in ihrer Kampagne auch mit der ›Stomausfall-Angst-Keule‹. Mit den immer gleichen »Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht«-Phrasen, mit denen versucht wird zu untermauern, dass die Energiewende gar nicht funktionieren kann und immer fossile Kraftwerke zur Energiebereitstellungssicherung gebraucht werden würden, da sonst die Lichter ausgehen, langweilen sie informierte Menschen allerdings zu Tode. Mit solch kaltem Kaffee kann man heute tatsächlich nur noch wenige Menschen hinterm Ofen hervorlocken, denn natürlich ist ein stabiles Netz mit 100 Prozent erneuerbaren Energien realistisch umsetzbar – wenn man es denn wollte. Das Kombikraftwerk 2 und Windgas (Power to Gas) für die Netzstabilisierung sind hier nur zwei Stichworte – die Studien der Agora-Energiewende haben schon längst gezeigt, wo der Weg langgehen wird.

Und was auch immer gern vergessen wird ist, dass wir bei einer konsequenten Umsetzung auf erneuerbare Energien in 20 Jahren soviel Strom erzeugen werden, dass er im Überfluss vorhanden sein wird. Aber dass ist natürlich auch wieder schlecht für das Geschäft, vor allem dann, wenn die Stromerzeugung immer mehr dezentral, zum Teil durch BürgerInnenkraftwerke erzeugt wird. Wir werden dann zu den zuvor genannten Möglichkeiten Millionen von Elektroautos und Kleinspeichern in Haushalten als Puffer haben, dezentrale BHKWs werden genug Kapazität zur Verfügung stellen und alles wird mittels einer Software aufeinander abgestimmt sein. Für die Energieverorger ein Horrorszenario – für die Menschheit die Zukunft.

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