Firmenchefs weiterhin im „Neandertal“

Groß, schwer, dick und meist dunkel. Wer hat die größte Keule? Der Neandertaler in der Neuzeit. Foto: Robert Basic / CC BY-SA 2.0 (via Wikimedia Commons)

In Deutschland bewegt sich was in Richtung Vernunft und Nachhaltigkeit. Leider nicht überall, denn die teuren Plätze bleiben häufig unvernünftig und rückständig.

Während immer mehr Unternehmen bei der Anschaffung von Fahrzeugen für ihre MitarbeiterInnen auf niedrigen Spritverbrauch und Klimagasemissionen achten, können sich nur wenige FirmenchefInnen zu einer ähnlich vorbildlichen Handlungsweise durchringen. War im Neandertal der mit der größten Keule der ›Silberrücken‹ der Gruppe, so ist es heute im Imageverständnis vieler FirmenchefInnen der oder die mit dem größten und schwersten Dienstwagen. Dieses vor der Tatsache der drohenden Klimakatasthrophe hoffnungslos rückständige Steinzeitverhalten offenbart das Ergebnis der sechsten Dienstwagenabfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter 194 börsennotierten und mittelständischen Unternehmen. Hier wurde nach dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß des Fahrzeugs des/der Vorsitzenden, der Vorstandsflotte und der Unternehmensflotte gefragt und es sollten Angaben zu ihrer Mobilitätsstrategie gemacht werden. Grundlage für die Bewertung ist eine Punkteskala in vier Kategorien, an Hand derer grüne, gelbe oder rote Karten vergeben werden.

Insgesamt erhielten nur zwölf Unternehmen die ›Grüne Karte‹ für ein glaubwürdiges Klimabewusstsein. Das sind fünf mehr als im vergangenen Jahr – immerhin. 132 ›Rote Karten‹ gab es für zu hohe CO2-Emissionen oder für Intransparenz bei den Angaben: »Klimaschutz spielt bei der Mehrzahl der befragten Unternehmen keine Rolle, wenn es um die Wahl der Dienstwagen für ihre Vorstände und GeschäftsführerInnen geht. Das Schaufahren gegen den Klimaschutz geht dort ungerührt weiter. Dass nur fünf Prozent der Unternehmenschefs die EU-Klimaschutzwerte für Pkw einhalten ist verantwortungslos«, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Eva Lauer, Projektmanagerin im Bereich Verkehr und Luftreinhaltung, stellt fest: »Die Unternehmensumfrage bleibt unter unseren vier Dienstwagenumfragen diejenige mit der höchsten Verweigerungsquote. Während die deutschen Spitzenpolitiker, Kirchenvertreter und Behörden nur vereinzelt ihre Informationen zurückhalten, hinken die Unternehmen in Sachen Transparenz mit großem Abstand hinterher.« Die meisten großen Konzerne verpflichten sich in ihren Nachhaltigkeitsberichten lautstark zu Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und wollen die Umsetzung ihrer ökologischen Ziele voranbringen. »Wir erwarten gerade hier Spitzenpositionen bei den CO2-Werten und ambitionierte Strategien. Stellen wir aber gezielte Fragen und schauen hinter die Fassade, ernten wir vielsagendes Schweigen«, sagt Lauer.

Erstmalig hat die DUH eine TOP 10 Liste der Unternehmenschefs erstellt. Dieses Ranking führt Dr. Markus Conrad von der Tchibo GmbH (BMW i3) an, gefolgt von Felix Ahlers von der FRoSTA AG (VW up!). Sie zeigen, wie auch im Vorjahr, dass ein Konzernlenker in einem sparsamen Dienstwagen unter 100 g CO2/km unterwegs sein kann. Immerhin.

Quelle: www.duh.de und ecomento.tv

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