Fazit und Ergänzung

Die durchschnittliche, bundesdeutsche Gesamtbilanz von 12,5 Tonnen Kohlendioxid/Jahr und Person könnte sich durch die beschriebenen Maßnahmen auf nur noch rund 4 – 6 Tonnen Kohlendioxid/Jahr absenken! Das sind bis zu rund 65 Prozent weniger!

Nicht nur so was von out, sondern vor dem Hintergrund des Klimawandels auch peinlich: Das Neandertaler-Ego.

Das ist echter, aktiver Klimaschutz und zeigt, dass jedeR den eigenen CO2-Fussabdruck um einige Tonnen im Jahr reduzieren kann!

KlimaretterInnen: »Vernunft zu leben« ist ungeheuer genussvoll!

All die zuvor beschriebenen Maßnahmen ziehen nicht nur positive ökologische, sondern auch positive wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen nach sich, da die Wirtschaft gezwungen wird ihre Produktion entsprechend dem nun auf Nachhaltigkeit ausgelegten Verbraucherverhalten anzupassen. Darüber hinaus geht die Gesellschaft generell ganz automatisch zu einem verantwortungsvolleren und bewussteren Umgang mit den Ressourcen des Planeten über und in dieser erneuerten Gesellschaft wird es vollkommen normal sein, das diejenigen, die in leisen, kleinen Elektroautos herumfahren als »cool« angesehen werden und diejenigen, die im SUV-Panzer, Sportwagen oder schwerer Limousine das eigene »Neandertaler-Ego« umherkutschieren, Mitleid und ein »Buh!« ernten: Unvernunft mag ja hier und da mal Spaß machen, aber nicht wenn der Preis dafür die Zerstörung der Lebensgrundlagen aller ist. Das wird auch in den »Neandertaler-Kopf« vordringen müssen.

Je mehr »Grün«, desto besser

fassadengruen

Nicht nur schön und gutes Klima, auch CO2-Binder: Grüne Fassaden.

Wer einmal angefangen hat, wird sich über jede neue CO2-Einsparung freuen – denn das Handeln erfolgt in dem Bewusstsein der Notwendigkeit. Und es gibt wirklich viele weitere Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Fassadenbegrünung

Diese einfache, aber ungeheuer nutzbringende Maßnahme wäre auch für die kahlen, im Sommer aufgeheizten Fassaden in der Stadt nicht nur ein Augenschmauß, sondern auch extrem effektiv: Am Karlsruher Institut für Technologie wurde ermittelt, dass speziell Fassadenbegrünungen beachtliche Verbesserungen von Stadtluft und Stadtklima bis zu 30 % bewirken können. Im Sommer wird die Fassade ausgeschattet mit der damit einhergehenden Kühlung, es wird Verdunstungskühle und produzierter Sauerstoff in die Umgebungsluft abgegeben und jede Menge CO2 gebunden, Luftschadstoffe und Staub werden gefiltert und gebunden und es dient ganz allgemein als Schall-, Strahlungs- und Witterungsschutz und zu guter Letzt leistet das Grün leistet seinen Beitrag zur Biodiversität – es gibt kein technisches System, das vergleichbar vielfältige und zweckmäßige Positivwirkungen entwickeln kann.

Schön grün und die Vögel direkt am Fenster – ein Paradies.

Dieses Ergebnis bestätigt die gefühlte Positivwirkung von BewohnerInnen und AnliegerInnen begrünter Fassaden und Häuser. Eine zusammenfassende Wertung der Positivwirkungen ergibt zahlreiche Gründe für diese Begrünungsweisen. Diese stehen allerdings den häufig vielerorts anzutreffenden Vorurteilen gegenüber einer solchen Begrünung gegenüber. Hier hilft nur weitere Aufklärung.

Ganz allgemein kann gesagt werden – je mehr Busch-, Rasen- und Blattgrün, desto besser! Nicht nur Bäume verbessern spürbar die Luft in der Umgebung und Binden CO2 , auch alle anderen grünen Begleiter. Raspeln Sie also wenn es geht bitte nicht alles ratzekahl, was sich zudem auch in der Artenvielfalt in Ihrem Garten und Umfeld positiv bemerkbar machen wird.

Bäume und Wälder erhalten und schützen

Buchen – Echte CO2-Binder

Eine weitere Möglichkeit sich für das Klima einzusetzen ist, sich für den Erhalt von Bäumen und Wäldern einzusetzen. Denn im Rahmen der Photosynthese entnimmt der Baum das Kohlendioxid, also das CO2, aus der Atmosphäre und verwandelt es im Wachstumsprozess zusammen mit dem Sonnenlicht zu Traubenzucker um. Dabei wird das CO2 in Form von Kohlenstoff, also C, im Holzkörper dauerhaft gespeichert. Zusätzlich spendiert uns der Baum, beziehungsweise die Pflanze, als Nebenprodukt auch noch Sauerstoff. In deutschen Wäldern sind derzeit 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, was in etwa 4,4 Milliarden Tonnen CO2 sind! Umgerechnet auf einen Hektar Wald speichern allein die Bäume über alle Altersklassen hinweg pro Jahr circa 13 Tonnen CO2!

Darüber hinaus wird noch CO2 im Waldboden, im Humus, gespeichert. Bei der Speicherung von CO2 ist Baum übrigens nicht gleich Baum: Eine 120 jährige und circa 35 Meter hohe Buche mit einem Durchmesser von 50 cm (gemessen auf 1,3m Höhe) hat beispielsweise ein Trockengewicht von 1,9 Tonnen, wovon rund 0,95 Tonnen Kohlenstoff sind und was wiederum 3,5 Tonnen in Kohlenstoff umgewandeltes CO2 bedeutet. Im Vergleich mit einer Fichte der gleichen Höhe und dem gleichen Durchmesser kann die Buche aber fast eine Tonne mehr CO2 speichern als eine Fichte! Dies liegt daran, dass die Holzdichte bei der Buche höher ist.

Beim Kampf gegen den Klimawandel spielt der Wald, ja jeder Baum also eine entscheidende Rolle – und das gleich in dreifacher Hinsicht: Erstens entzieht jeder Baum der Atmosphäre CO2. Diese Speicherung bleibt zweitens dauerhaft, wenn das Holz – wo und wie auch immer – verbaut, statt verbrannt wird. Daraus folgend resultiert drittens, dass das Holz durch die Nutzung im Verbau andere Materialien wie Stahl, Kunststoffe oder auch Beton, die auf Basis endlicher Rohstoffe und energieintensiv hergestellt werden, ersetzt. Vor dem Hintergrund, dass die heimischen Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden, was bedeutet, dass nie mehr Holz geerntet wird als nachwächst, erschöpft sich die Ressource Holz nie und speichert auch in Zukunft weiteres CO2 ein.1

Aber was ist, wenn die Vernunft nicht ausreicht?

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Abwesenheit von Vernunft? Bild: Osvaldo Gago / CC BY-SA 2.5 (via Wikimedia Commons)

Es muss sich wie bereits beschrieben noch beweisen, ob sich eine ausreichend große Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern findet, die allein aus der Einsicht in die Notwendigkeit bereit sind, dass eigene Verhalten ohne »Zwangsmaßnahmen von oben« angemessen anzupassen. Tatsächlich ist heute ist eine stark zunehmende Aktivität in Sachen Klimaengagement zu verzeichnen: Viele Familien achten bewusst auf ihren klimafreundlichen Lebenstil, ohne sich von einem immer existierenden, ignoranten Bevölkerungsteil verunsichern zu lassen. Reicht das?

Dieser Trend ist nicht nur klimastrategisch sehr erfreulich sondern zeigt zudem, dass immer mehr Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder in der Lage und gewillt sind verantwortungsvoll zu handeln. Allerdings wird und muss es genau wegen des anderen, gleichgültigen Bevölkerungsteils zu klimaschutzrechtlichen Zwangsmaßnahmen durch die Gesetzgebung kommen – so wie es zur Zeit in Baden-Würtemberg bereits geschieht. Was für Bürgerinnen und Bürger, die ohnehin schon bedacht und besonnen handeln, selbstverständlich ist, erzeugt bei dem umwelt- und gesellschaftsschädigend agierenden Bevölkerungsteil Widerstände. Wenn Oskar Vogel, Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Handwerkstags diesbezüglich fragt, ›warum man alles bis ins kleinste Detail regeln muss und warum man nicht Eigenverantwortung setzt‹, dann kann die Antwort nur lauten: »Weil bedauerlicherweise bei einem nicht kleinen Teil der Menschen durch Aufklärung und gutes Zureden kein vernunftbegabtes Handeln entfacht werden kann.«. Diese Frage war prinzipielle überflüssig – und das weiß auch Oskar Vogel, wenn er ehrlich ist.

Dinge die der Gesetzgeber schon jetzt regeln müsste:

  1. Tempolimit auf allen Autobahnen von 120 km/Stunde. So könnten sofort jährlich 3,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden – und das zum Nulltarif.
  2. PS-Starke und schwere Autos extrem hoch besteuern. Die deutschen Autos sind zu schwer und extrem übermotorisiert. Von Modellreihe zu Modellreihe kam es zu einer regelrechten Aufrüstung auf deutschen Straßen. Das steigende Spitzentempo bedingte immer größere und schwerere Motoren. Sogenannte »Edelkarossen« und große SUVs für die Stadt wurden in den letzten Jahrzehnten aufgerüstet wie kein anderes Segment der Autoindustrie. Verbraucht ein normales Auto im Schnitt 7 Liter auf hundert Kilometer, liegt der Normverbrauch der Premiumwagen im Schnitt bei über 13 Litern, auf Autobahnen schnell bei über 20 Litern pro 100 Kilometern.
  3. Energiesteuer reformieren. Seit 2003 liegen die Energiesteuern auf Kraftstoffe in Deutschland unberührt auf dem gleichen Wert: 47,04 Cent je Liter Diesel und 65,45 Cent je Liter Benzin. Diesel wird deutlich niedriger besteuert als Benzin – dies muss angepasst werden und zudem die Steuer für beide Kraftstoffe stark angehoben werden.
  4. Elektromobilität gezielt fördern. Ob dies nun mit direkter Förderung bei dem Kauf eines Elektrofahrzeuges geschieht, oder durch hohe Besteuerung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist prinzipiell zunächst irrelevant – was zählt ist das Zeichen.
  5. Verkehr reduzieren und verlagern. Das individuelle Verkehrsaufkommen muss reduziert werden und mehr auf öffentliche Verkehrsträger verlagert werden. In Städten ist dies leicht umzusetzen, indem der Individualverkehr einfach rausgeschmissen wird – und ja, das geht  auch ohne Verödung der Innenstadt. Viele Städte beweisen das Gegenteil – die Menschen erobern sich ihren Lebensraum zurück. Der Verzicht aufs Auto kann und sollte zudem gezielt auch finanziell gefördert werden z.B. durch kostenlosen ÖPNV.
  6. Dienstwagenprivileg abschaffen. In Deutschland sind rund 62 % aller zugelassenen PKW Firmenwagen – meist werden aus »Prestigegründen« klimaschädliche schwere und schnelle Fahrzeuge mit hohem Spritverbrauch ausgesucht, denn das (Neandertaler)Image ist den Firmen heute noch wichtiger als der Klimaschutz. Unternehmen, die ihren Angestellten einen Dienstwagen zur Verfügung stellen, können diese Leistung über sechs Jahre abschreiben. Damit besteht für Unternehmen der Anreiz, teure und große Autos einzusetzen, um eine hohe Abschreibung zu erzielen und spätestens nach Ablauf der Abschreibung das Fahrzeug zu verkaufen. Daraus resultierend finden sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt viele Spritschlucker.
  7. Steuerbefreiung im Luftverkehr beenden. Der umweltschädlichste Verkehrsträger ist der Luftverkehr und gleichzeitig wird kein anderer Verkehrsträger so stark bezuschusst wie der gewerbliche, grenzüberschreitende Flugverkehr, der von der Mehrwertsteuer und der Energiesteuer für Kerosin befreit ist. Kerosin sollte daher besteuert werden, soweit der Treibstoff innerhalb des deutschen Luftraums verbraucht wurde. Auch auf internationale Flugreisen sollte die Mehrwertsteuer für den deutschen Streckenanteil erhoben werden. Zudem muss die Luftverkehrssteuer an die tatsächlichen Umweltbelastungen des Flugverkehrs angepasst werden.2,3

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1 Wie viel Kohlendioxid speichert der Wald bzw. ein Baum: http://www.wald.de/wie-viel-kohlendioxid-co2-speichert-der-wald-bzw-ein-baum/
2 »Im Autoland fehlt der politische Wille«. Interview mit Johannes Lackmann. http://www.klimaretter.info/standpunkte/19105-qim-autoland-fehlt-der-politische-willeq
3 Greenpeace, Für eine Welt ohne Wetterchaos, https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/ggreenpeace-fuer-eine-welt-ohne-klimachaos-ds-h00341_0.pdf)