Eisschilde schmelzen zehnmal schneller als angenommen

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Eisberg in der Diskobucht, Westgrönland. Credits: Michael Haferkamp / CC BY-SA 2.0 (via Wikimedia Commons)

Der Meeresspiegel könnte in den nächsten 50 Jahren um drei Meter steigen, zeigt die neueste Studie des renommierten Klimaforschers James Hansen.

Der Klimawissenschaftler James Hansen und 16 weitere Forscher schlagen Alarm. Die Eisschilde der Erde schmilzen zehnmal schneller als bislang angenommen, zeigt ihre Studie. Als Folge kommt demnach ein Teufelskreis in Gang. Das schmelzende Wasser verändert die Zirkulation der Ozeane, tiefere Ozeanregionen erwärmen sich und lassen Gletscher und Eisschilde von unten weiter schmelzen. Dadurch wird der Meeresspiegel in den nächsten 50 Jahren um mehr als drei Meter steigen. Das liegt deutlich über bisherigen Prognosen.

Für ihre Studie kombinierten Hansen und sein Team Klimamodelle, aktuelle Messungen und Erkenntnisse über die klimatischen Verhältnisse in der erdgeschichtlichen Vergangenheit. Das Ergebnis: Frühere Warmzeiten, in denen die Temperatur weniger als ein Grad Celsius über dem heutigen Niveau lag, gingen mit einem um fünf bis neun Meter erhöhten Meeresspiegel sowie extremen Stürmen einher. Das Zwei-Grad-Ziel – auf das sich die internationale Staatengemeinschaft geeinigt hat und das auch für den Pariser Vertrag maßgebelich sein wird – ist nach Ansicht der Forscher deshalb „hoch gefährlich“. Schließlich zeigen die Daten der US-Wetterbehörde NOAA, dass sich die globale Durchschnittstemperatur bereits heute um 0,88 Grad gegenüber dem 20. Jahrhundert erhöht hat.

Nicht nur die Hansen-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Meeresspiegel schneller und mehr steigen wird, als es die Prognosen im jüngsten Sachstandsbericht des Weltklimarates annehmen. Erst vor zwei Wochen erschien im Fachmagazin Science eine Studie des Geologischen Instituts der University of Florida, wonach bereits geringe Steigerungen der globalen Durchschnittstemperatur zu einem Anstieg des Meeresspiegels von sechs Metern oder sogar mehr führen könnten.

Zuvor war die Antarktis als relativ stabil und ihr Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg als eher gering eingeschätzt worden. Im Mai 2014 aber bestätigten Satellitenbeobachtungen die Ergebnisse zweier unabhängiger Computersimulationen, die zeigen, dass der Westantarktische Eisschild inzwischen einen Zustand unaufhaltbaren Zusammenbruchs erreicht hat. „Wir haben damit das erste Mal ein Kippelement kippen sehen. Das war ein negativer Meilenstein. Wir wissen zwar nicht, wie schnell dieses Kippen verlaufen wird. Aber wir wissen: Es ist in Gang gesetzt, und es ist nicht mehr zu stoppen.“ sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Laut Hansens Studie wird der Eisverlust der Westantarktis deutlich schneller vonstatten gehen als bislang angenommen. Das Papier geht davon aus, dass die sogenannte Verdopplungszeit nur zehn Jahre beträgt. Gemeint ist damit der Zeitraum, in dem sich der Eisverlust verdoppelt. Der IPCC hingegen hatte bislang „nur“ einen Meeresspiegelanstieg von rund einem Meter bis 2100 angenommen. „Wenn der Ozean weiterhin so viel Wärme aufnimmt“, heißt es im Hansen-Papier, „steuern wir auf den Punkt zu, dass es nicht mehr möglich ist, das Abschmelzen großer Eisschilde zu verhindern; die Folge wird der Anstieg des Meeresspiegels um mindestens mehrere Meter sein.“ Sollten die Berechnungen der Studie zutreffen, dann werden Küstenstädte wie New York und Länder wie Bangladesch in wenigen Jahrzehnten nicht mehr bewohnbar sein. Hansen: „Der Anstieg der Meeresspiegels ist die bedrohlichste Folge der Erderwärmung.“

Quelle: www.klimaretter.info/forschung/hintergrund/19268-eisschilde-schmelzen-zehnmal-schneller

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