Deutschland: Energiewende ohne Kohleausstieg?

Die von den G7-Staaten beim Gipfel in Elmau beschlossene und weltweit erleichtert aufgenommene Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts soll nun ohne den Ausstieg aus der Kohle oder anderen fossilen Energieträgern auskommen. Wie das gehen soll? Mit Luftschlösschen, gezielten Ausblenden von Realitäten und Augenwischerei – ganz vorn mit dabei, die deutsche Bundesregierung.

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Bundesregierung. Bild: Tobias Koch / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Seit Jahrzehnten genießt Deutschland den Ruf des Klima-Primus – leider unverdient. Denn die vorzuweisende Reduktion von Treibhausgasen nach 1990 als Startmarke wurden großteils durch die Abschaltung der maroden ostdeutschen Braunkohlekraft und der veralteten und CO2-intensiven Ost-Wirtschaft geschafften und nicht etwa durch bedeutende, strukturelle Maßnahmen zur allgemeinen Reduktion von Energie der »Realwirtschaft«, beziehungsweise den vollzogenen Energiewendebemühungen, wie es immer gern dargestellt wird.

Allein diese Umstände offenbart die Realitätt eines angeblichen Klima-Primus, der nicht mehr als andere zustande bringt und jetzt mit seiner Antwort auf eine Anfrage der Bündnisgrünen über die ›Energieaußen- und Klimapolitik in Folge der G7-Beschlüsse von Elmau‹ sich zudem weiter demaskieren muss – diese Bundesregierung hat offenbar noch immer nicht verstanden hat, wie ernst die Angelegenheit ist: Als Dekarbonisierung verstehe die deutsche Bundesregierung die Umstellung auf kohlenstoffarmes Wirtschaften – welche Technologien dabei angewandt werden, falle unter die Souveränität der einzelnen Staaten.

Und das heist konkret für die Bundesregierung, dass dies irgendwie gehen muss, ohne die Freunde aus der fossilen Energiewirtschaft zu kompromittieren – beispielsweise durch durch die Abtrennung von CO2 und Endlagerung im Untergrund. Gewundenes Verhalten und Taktieren in einer heiklen Situation – anstatt Probleme an der Wurzel zu packen und den Ausstoß von Treibhausgasen an der Quelle verringern, wird wegen der Rücksichtnahme der »fossilen Freunde« im Nachhinein Klimaklempner gespielt. Greenpeace-Klima-Experten haben sich zu solchen Maßnahmen bereits im vergangen Jahr geäußert: »Für eine klimafreundliche Zukunft brauchen wir viele technische Lösungen. Aber nicht alle. Keine Lösung ist es, das Kohlendioxid aus Kohlekraftwerksschloten abzufangen und unter der Erde zu verpressen. Diese als CCS bekannte Methode (CCS: Carbon Capture and Storage – CO2 -Abtrennung und Endlagerung) birgt hohe systembedingte Risiken. Denn erstens weiß niemand, ob das verpresste Kohlendioxid auch für immer unter der Erde bleibt oder nicht doch Jahrzehnte später durch Leckagen austritt und den Treibhauseffekt mit anheizt. Zweitens kann heute kein Wissenschaftler ausschließen, dass bei der Technik Trinkwasservorkommen geschädigt oder Erdbeben ausgelöst werden. Ebenso gefährlich sind Ideen, dem Treibhauseffekt durch großtechnische Methoden wie das Düngen der Meere oder das Ausbringen von abkühlend wirkenden Partikeln in der Atmosphäre begegnen zu wollen. Greenpeace lehnt solche technischen Scheinlösungen – Klima- oder Geoengineering genannt – grundsätzlich ab.«

In ihrer Anfrage kritisieren die Grünen, dass in der Abschlusserklärung von Elmau mit der Bekräftigung des Zwei-Grad-Limits und mit der Dekarbonisierung der Eindruck einer anspruchsvollen Klima- und Energiepolitik erweckt werden soll. Leider zeigt  die aktuelle Politik in sämtlichen G7-Staaten zeige jedoch das Gegenteil. Die deutsche, europäische und internationale Klimapolitik stehe dabei sogar teilweise im Widerspruch zu den ohnehin unverbindlichen Beschlüssen. Auch die Bundesregierung habe bisher versäumt, so die Grünen, die eigenen Ziele mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen. Die Pro-Kopf-Emissionen der Deutschen gehörten zu den höchsten in der EU. Deutschland werde das selbst gesteckte Ziel der Emissionsminderung bis 2020 um 40 Prozent nicht mehr erreichen.

Die Beziehungen und Verflochtenheit zwischen Wirtschaft und Politik offenbaren sich ein weiteres mal als verhängnisvoll für die Menschheit – sie verhindern echte Lösungen. Die Ertrinkenden wollen die Katastrophe mit den gleichen Mitteln abwenden, mit denen sie diese herbeigeführt haben. Ohne eine umfassende Umstellung der Art zu Wirtschaften, weg von einer Wachstumswirtschaft mit ihrer großteils keine Vernunft erkennenden und überflüssigen Produktion, hin zu einer bedarfsorientierten und nachhaltigen Wirtschaft, wird dies nicht gelingen. Ob dies je in diesen Köpfen ankommen wird?

Quelle: www.klimaretter.info

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