Faktenliste Klimawandel: Die Menschheit wird nicht überleben, wenn sie ihre Verschwendung und Kurzsichtigkeit fortsetzt.

Handelst du schon oder machst du weiter wie immer? Diese Frage stellt sich eindringlich und mitlerweile unaufschiebbar, denn die Fakten und Zahlen zeigen uns, dass sich essenziell nichts ändert. Seit den frühen 1980er Jahren ist einer breiten Mehrheit bekannt, was durch den Klimawandel auf die Menschheit zu rollt, aber ein übergreifendes Umdenken findet nicht statt. Unbeeindruckt der aktuellen Zahlen und Fakten wird weiterhin auf Teufel komm raus in der Weltgeschichte herum geflogen, weil wir ja alle so weltoffen und Kosmopolit sind oder der nächste SUV angeschafft, weil es ja so angenehm ist, hoch zu sitzen. Anlässlich des G20-Gipfels letzten Juli 2017 in Hamburg haben KlimaexpertInnen die aktuellen Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammengefasst und diese Fakten machen inzwischen richtig Angst.

In der 2012 veröffentlichten Studie »2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre« werden die verheerenden Folgen des Klimawandels unerbittlich skizziert: Die menschengemachte Freisetzung von Treibhausgasen wird noch bis 2030 steigen und erst dann, vielleicht, zurückgehen können – dies sei allerdings rund 15 Jahre zu spät, um noch zu verhindern, dass sich die mittlere Erdtemperatur nach 2052 um mehr als zwei Grad erhöhe (dieser Wert gilt Experten zufolge als gerade noch hinnehmbar). Der Bericht kommt zu dem desillusionierenden Schluss, dass bis zum Jahr 2052 die Erderwärmung bereits in einigen Fällen örtliche Kollapse mit viel Leid erzeugen werde und die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken wird. Ab 2052 wird sich dann die Erderwärmung durch die ersten überschrittenen Kippelemente katastrophal selbst verstärken: Bis 2080 werde die Temperatur um 2,8 Grad steigen, was die nächsten Kippelemente anstoßen und den sich selbst verstärkenden Klimawandel weiter beschleunigen wird. Das Treibhausgas Methan, welches 28 mal klimaschädlicher als CO2 ist, wird aus der auftauenden Tundra entweichen und die Erde noch weiter aufheizen – die selbstverstärkenden Prozesse sind somit unaufhaltsam in Gang gesetzt. Die KlimawissenschaftlerInnen warnen, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um bis zu sechseinhalb Grad Celsius steigen wird, wenn wir uns nicht ändern. Der Klimaforscher Jorgen Randers findet dafür drastische Worte: »Die Menschheit wird nicht überleben, wenn sie ihre Verschwendung und Kurzsichtigkeit fortsetzt.«

Die aktuelle Faktenliste:

1. Die Luft an der Erdoberfläche ist bereits deutlich erwärmt. 2016 lag die mittlere globale oberflächennahe Lufttemperatur um rund 0,94°C höher als im Mittel des 20. Jahrhunderts. Zu diesem Ergebnis kam die NOAA Anfang 2017 auf der Basis dreier unabhängiger Datenreihen. 2016 war damit das wärmste Jahr seit Beginn der Auswertungen und übertraf die vorherigen Rekordjahre 2015 und 2014 – noch nie gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnung drei Rekordjahre in Folge.

Die Grafik zeigt die Abweichung der globalen Lufttemperaturen (Mittel der einzelnen Jahre) zwischen 1881 und 2016 gegenüber dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Quelle: NOAA

Die Grafik zeigt die Abweichung der globalen Lufttemperaturen (Mittel der einzelnen Jahre) zwischen 1881 und 2016 gegenüber dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Quelle: NOAA

2. Seit mehreren Jahrzehnten gibt es einen klaren Aufwärts­­trend. Die Mitteltemperatur an der Erd- und Wasseroberfläche hat in den vergangenen Jahrzehnten im Mittel stetig zugenommen. Seit den 1960er Jahren war jede Dekade wärmer als die vorherige. Und die bisherigen Daten für das laufende Jahrzehnt deuten darauf hin, dass auch die Dekade 2011 bis 2020 einen neuen Höchststand markieren wird.

3. Die Häufung von Temperaturrekorden in den vergangenen Jahren ist höchst ungewöhnlich. 16 der 17 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen traten nach 2000 auf, alle fünf wärmsten seit 2010 (siehe Grafik rechts). Seit über 40 Jahren, seit 1977, gab es auf der Erde kein Jahr mehr, das kühler war als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts.

4. Die Ozeane sind deutlich erwärmt. Die Temperatur der oberen Wasserschichten der Weltmeere ist von 1980 bis 2015 um etwa 0,5°C gestiegen. Zwar gibt es Seegebiete in denen die Wasser­temperaturen in dieser Zeit gesunken sind (etwa der Nordatlantik), in anderen hingegen stieg die Temperatur überproportional. Hierfür sind verschiedene Ursachen verantwortlich aber im Mittel steigt die Temperatur, denn einen Großteil der globalen Erwärmung wird in den Meeren gespeichert.

5. Der Meeresspiegel steigt. Zwischen 1993 und 2017 ist der Meeresspiegel laut Satellitenmessungen der NASA im globalen Mittel um etwa 8,5 Zentimeter gestiegen.

6. Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre nimmt stetig zu. Die Referenzstation Mauna Loa auf Hawaii misst den Wert für 2017 im Jahresmittel bereits auf knapp 405 ppm. Das ist die höchste CO2-Konzentration seit mindestens 800.000 Jahren. Diese liegt rund 41 % über dem vorindustriellen Niveau!

7. Die Ozeane versauern. Der pH-Wert der Meeresoberfläche liegt aktuell im weltweiten Mittel bei etwa pH 8,1 und ist damit gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um rund pH 0,1 gesunken. Zahlreiche Meereslebewesen sind bedroht, da sich Kalk bei niedrigeren pH-Werten nicht mehr gut als Schale etwa bei Muscheln und Schnecken anlagert. Ursache für diese sogenannte Versauerung ist der Anstieg von Kohlendioxid in der Luft, welches teilweise in den Ozeanen aufgenommen wird. Die jetzigen CO2-Emissionen würden bis Ende des Jahrhunderts dazu führen, dass der pH-Wert auf Werte fällt, wie sie seit mehr als 50 Millionen Jahren nicht mehr in den Ozeanen vorkamen.

8. Grönland verliert massiv Eis. 250 bis 300 Milliarden Tonnen Eis verliert der grönländische Eisschild pro Jahr. Dies trägt mit jährlich rund 0,6 Millimetern zum Anstieg der globalen Meeresspiegelhöhe bei. Zudem hat sich das Tempo des Eisverlusts in den vergangenen Jahren beschleunigt.

9. Gletscher und Schnee schwinden. Vier Fünftel der Gebirgsgletscher, die weltweit von Forschern beobachtet werden, verlieren aktuell an Eismasse. Es gibt zwar auch wenige Gletscher, die aufgrund regionaler Besonderheiten wachsen, aber die globale Gesamtmasse der Gletscher hat seit 1980 deutlich abgenommen – im Durchschnitt verschwand so eine Eisschicht von gut 20 Metern Dicke. Glaziologen betonen, dass es eine solche Entwicklung es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie gegeben hat. Während ein Teil des Gletscherschwunds noch eine Nachwirkung der Erwärmung im Anschluss an die »Kleine Eiszeit« auf der Nordhalbkugel zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert sein dürfte, ist seit einigen Jahrzehnten der anthropogene Klimawandel die Hauptursache. Auch die Schnee­bedeckung der Nordhalbkugel nimmt ab. In den Schweizer Alpen zum Beispiel ist die Schneesaison in den letzten 45 Jahren erheblich kürzer geworden – sie startet heute im Durchschnitt zwölf Tage später und endet 26 Tage früher als 1970.

Masseverlust des Eises an 41 Gebirgsgletschern, die besonders intensiv von der Forschung beobachtet werden sogenannte Referenzgletscher. Die grauen Balken (und die linke Skala) zeigen den jährlichen Verlust, die rote Kurve (und die rechte Skala) den kummulierten Verlust seit 1980; Quelle: NOAA

10. Das Meereis rund um den Nordpol schwindet. Seit Be­ginn der Satelliten­beobachtung 1979 ging sowohl die Maximalausdehnung des arktischen Meereises am Ende des Winters als auch das Minimum am Ende des Sommers stetig zurück. Am Südpol ist der Trend weniger klar, dort nimmt die Ausdehnung des Meereises eher zu; als Grund werden veränderte Windmuster vermutet, die das Meereis weiter auseinander­treiben. Im Winter 2016/17 wurde bei der globalen Meereisfläche (Nord- und Südpol kombiniert) dennoch ein Rekordminus verzeichnet.

11. Auch in Deutschland ist der Klimawandel bereits unübersehbar. Die Mittel­temperatur der Luft hat sich laut Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seit 1881 um 1,4 °C erhöht. Damit liegt der Temperaturanstieg hierzulande deutlich über dem weltweiten Durchschnitt (siehe Grafik unten links).

12. Markante Zunahme von Hitzeereignissen in Deutschland. Die Anzahl heißer Tage (Tagesmaximum der Lufttemperatur ≥ 30 °C), über ganz Deutschland gemittelt, ist seit den 1950er-Jahren von etwa drei Tagen im Jahr auf derzeit durchschnittlich neun Tage im Jahr angestiegen! Die mittlere Anzahl der Eistage (Tagesmaximum der Luft-temperatur < 0 °C) hat im gleichen Zeitraum von 28 Tagen auf 19 Tage abgenommen. Auch die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen hat sich in Deutschland verändert. 14-tägige Hitzeperioden mit einem mittleren Tagesmaximum der Lufttemperatur von mindestens 30 °C traten zum Beispiel in Hamburg vor 1994 überhaupt nicht auf. Seit 1994 gab es dort solche Ereignisse allerdings bereits viermal.

Bei der jetzigen Menge Treibhausgas­ausstoßes wird für den Zeitraum 2021 – 2050 eine weitere Zunahme von fünf bis zehn heißen Tagen in Norddeutschland und zehn bis 15 heißen Tagen in Süddeutschland gerechnet. Die europäische Hitzewelle 2003 zum Beispiel forderte laut verschiedener Studien 50.000 bis 70.000 Todesopfer.

14-tägige Hitzeperioden mit einem mittleren Tagesmaximum der Luft-temperatur von mindestens 30 °C in fünf deutschen Städten zwischen 1950 und 2015; Grafik: DWD

13. Das Risiko von Hochwassern steigt. Die Zahl der Tage mit Großwetterlagen (GWL) mit hohem Hochwasser­gefahren-potenzial (GWL Trog Mitteleuropa, TRM) hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland im Mittel deutlich erhöht. In den letzten 30 Jahren lag die Zahl der Ereignisse um das 2 bis 3 – Fache über den Werten zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

14. Schwere Gewitter richten große Schäden an. Weltweit hat sich laut Daten des Versicherers Munich Re seit 1980 die Zahl schadensrelevanter Natur­ereignisse insgesamt etwa verdreifacht, in Deutschland nehmen vor allem die Risiken durch schwere Gewitter zu. Seit 1980 zeigt der Trend bei den Schadenssummen deutlich nach oben.

15. Pflanzen und Tiere reagieren auf die Erderwärmung. Verschiedene Pflanzen breiten sich weiter nach Norden aus. Zugvögel kommen früher zurück, bei Fischen wurde eine frühere Laichzeit nachgewiesen. Der Klimawandel beeinflusst auch die Wechselbeziehungen zwischen Organismen: Beispielsweise verschieben sich Blühzeitpunkte von Pflanzen, sodass sie nicht mehr zur Flugzeit der sie bestäubenden Insekten passen. Eine Analyse von 500 ausgewählten heimischen Tierarten ergab, dass der Klimawandel für 63 von ihnen ein hohes Risiko darstellt; am stärksten betroffen sind Schmetterlinge, Weichtiere (z. B. Schnecken) und Käfer.

16. Land- und Forstwirtschaft spüren bereits deutlich Folgen des Klimawandels. Im Vergleich zu den 1970er Jahren blühen heute Apfelbäume rund 20 Tage früher – doch weil es so früh im Jahr nachts häufig noch sehr kalt wird, haben Obstbauern häufiger schwere Frostschäden zu beklagen (wie es etwa im Frühjahr 2017 der Fall war). Der Klimawandel verändert die Wuchsbedingungen für zahlreiche Baumarten schneller, als diese sich in neue Regionen ausbreiten können. Trockenstress durch weniger Sommerniederschläge, die beschleunigte Entwicklung von Schadinsekten und die zunehmende Gefahr von Waldbränden bedrohen die Forstwirtschaft.

17. Menschen müssen vor den Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen. Laut neuen Zahlen der Vereinten Nationen gibt es weit mehr Klima- als Kriegsflüchtlinge. Rund 25 Millionen Menschen müssen jedes Jahr vor den Folgen des Klimawandels fliehen. Die meisten Klimaflüchtlinge leben in armen Ländern. Aufgrund der globalen Klimaerwärmung verschlechtern sich die Lebensbedingungen für Hunderte Millionen Menschen insbesondere in den ärmsten Ländern der Welt so dramatisch, dass sie gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen, um zu überleben. Laut der »Studie Klimaflüchtlinge« von Greenpeace könnten dies 200 Millionen Menschen bis zum Jahr 2040 sein.

Fazit. Die Erde wird wärmer und wichtigste Ursache dafür ist der Mensch. Die Klimaforschung warnt wie eingangs bereits erwähnt seit Jahren, dass wenn jetzt nicht gehandelt wird, das Wettersystem, wie wir es heute kennen, kollabieren wird und wir sehr ernsten Veränderungen unseres Planeten entgegen sehen werden. Die ersten Folgen erleben wir bereits jetzt – auch hier in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas. Daher noch einmal die Frage an DICH: »Fliegst du noch oder handelst du schon verantwortlich?«

Quellen:

https://klimafakten.de
https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201705
http://www.de-ipcc.de/de/128.php
https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201613
https://www.nature.com/articles/srep19831
https://www.ncdc.noaa.gov/cag/time-series/global/globe/ocean/ytd/12/1880-2017
http://ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar5/wg1/WG1AR5_Chapter03_FINAL.pdf
https://climate.nasa.gov/vital-signs/sea-level/
https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/full.html
https://sealevel.nasa.gov/understanding-sea-level/key-indicators/greenland 
http://www.arctic.noaa.gov/Report-Card/Report-Card-2016/ArtMID/5022/ArticleID/277/Greenland-Ice-Sheet
https://nsidc.org/cryosphere/sotc/snow_extent.html
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs40641-016-0036-8
https://link.springer.com/article/10.1007/s10584-016-1806-y
https://www.climate.gov/news-features/featured-images/2015-state-climate-mountain-glaciers
http://www.geo.uzh.ch/~mzemp/Docs/Zemp_etal_JoG_2015.pdf
http://science.sciencemag.org/content/early/2014/08/13/science.1254702
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10584-016-1806-y
https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-aber-am-suedpol-nimmt-die-eismasse-zu
http://www.dwd.de/DE/presse/pressekonferenzen/DE/2017/PK_14_03_2017/pressekonferenz.html
http://www.dwd.de/DE/leistungen/nationalerklimareport/report_2016.html
https://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/07/07H044/t8.pdf; https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/Klimakompendium_DG.pdf
https://www.deutschlandfunk.de/weltklimakonferenz-mehr-klimafluechtlinge-als-vertriebene.1773.de.html?dram:article_id=400100
https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/200-millionen-klimafluchtlinge-bis-2040