Klimaskeptiker-Thesen vom Bundeswirtschaftsministerium 

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Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von Korruption durchsetzt. Foto: Gerd Fahrenhorst, CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Die Zeit scheint gekommen, indem die Interessen und Finanzquellen hinter den in manchen Medien lange durchaus beliebten »Klimaskeptiker«-Thesen auch für Journalisten interessant werden und aufgedeckt werden. So ermitteln Staatsanwaltschaften bspw. gegen die Ölfirma Exxon wegen vorsätzlicher Klima-Desinformation und durch den Bankrott von US-Kohlefirmen wie Peabody kommen weitere Unterlagen an die Öffentlichkeit, in denen die Finanzierung von »Klimaskeptikern« belegt werden. Deutschland offenbart Verstrickungen bis in die oberen, politischen Institute: In den 2000er Jahren verbreitete die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in der Politik und über die Medien mittels Hochglanzbroschüren und einem populärwissenschaftlichen Buch die These, dass CO2 womöglich keine wichtige Rolle für den Klimawandel spielt.

Bei ihren korruptiösen Vorgängen pflegte die BGR Kontakte zur US-Amerikanischen Lobbyszene, welche sich gegen die Klimawissenschaft positionierte – so trat Ulrich Berner bei einer Lobbyveranstaltung in Washington auf, die vom Frontiers of Freedom Institute organisiert wurde, einer Organisation, die unter anderem von Exxon und der Charles Koch Stiftung finanziert wurde. Die BGR versuchte mit offensichtlich unsinnigen, pseudowissenschaftlichen Argumenten nach Kräften Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung zu nehmen. Zu betonen ist, dass wir es mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR, nicht mit irgendwem zu tun haben – die BGR ist geologische Dienst der Bundesrepublik und ihr obliegen die Beratung der Bundesministerien in geowissenschaftlichen Fragen, nebst der Suche nach Rohstoffen in aller Welt und als solche muss diese eine unabhängige Instanz sein!

Das bedenklichste an diesen Vorgängen ist aber wohl, dass die von der BGR mit viel PR-Aufwand verbreiteten »Klimaskeptiker«-Thesen nach Kenntnis von Stefan Rahmstorf, mehrfach ausgezeichneter deutscher Klimaforscher mit hohem internationalen Ansehen, vom Bundeswirtschaftsministerium (dessen nachgeordnete Behörde die BGR ist) erwünscht war. Für Rahmstorf als Wissenschaftler war zwar das skandalöse an diesen Vorgängen die unterirdische wissenschaftliche Qualität der herausgebrachten Arbeit, und dass sich die daran anschließende PR-Arbeit der BGR mit ihren Behauptungen an ein Laienpublikum gewandt hat, welches nicht durch entsprechende wissenschaftliche Fachpublikationen gedeckt waren. Aber das eigentlich skandalöse ist doch, das diese korruptiösen Vorgänge in einer solchen Institution überhaupt geschieht – es zeigt, wie mächtig Lobbyinteressen mittels Geld und/oder anderen gewährten Annehmlichkeiten oder Vorzügen zumindest Teile, zu oft entscheidende Teile der Politik, unter ihren Fittichen hat.

Zwar war auch innerhalb der BGR diese Propagandaschow zugunsten der Erdöl- und Kohleindustrie keineswegs unumstritten, da auch dort natürlich aufrechte und kompetente Wissenschaftler arbeiten, aber sie konnten nicht verhindern, dass die BGR mit offensichtlich unsinnigen, pseudowissenschaftlichen Argumenten nach Kräften versuchte, Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung zu nehmen. Hier gilt es zu klären, seit wann das Führungspersonal der BGR davon wusste oder wissen musste, dass die Thesen ihrer Mitarbeiter Berner, Streif und Delisle wissenschaftlich unhaltbar waren. Die Verflechtung der BGR mit der Rohstoffwirtschaft sind konkret greifbar: So wurde ein Teil der Auflage des BGR-Buches »Klimafakten« vom Braunkohleverband aufgekauft und gratis unter anderem an Bundestagsabgeordnete verteilt und im Februar 2003 erschien in der von Journalisten gelesenen Zeitschrift »Der Journalist« eine zwanzigseitige (!) bezahlte Beilage des Braunkohleverbandes, »Klimadiskussion im Spannungsfeld«, die in ihrer Argumentation und den Grafiken erstaunliche Ähnlichkeiten mit den BGR-Publikationen zum Thema aufwies.

In dem vielbeachteten Wissenschaftsblog Scilogs hat Stefan Rahmstorf die haarsträubenden Thesen des BGR wissenschaftlich analysiert und demontiert. Er zeigt dabei auf, mit welchen simplen Taschenspielertricks pseudowissenschaftliche Narrative dem Laien als plausibel verkauft werden – und das leider erfolgreich. Denn nicht nur Rahmstorfs Beitrag selbst zeigt die erfolgreich angewandte Gehirnwäsche auf, sondern auch einige Diskussionsbeiträge der Lesenden, wobei sich Rahmstorf dabei nicht zu schade ist, auch hier in seiner eigenen, sehr zurückhaltenden wissenschaftlichen Art, die Faktenlage gerade zu rücken. Und zu guter letzt offenbaren die unten stehenden Links die näheren Verstrickungen der ehrenswerten deutschen Industrie und Konzernen im korrupten Spiel eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, was bereits seit langem am Ende ist.

Quellen: Scilogs, Süddeutsche Zeitung, Tagesschau, TAZ, TAZ 2

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