Energieforum 2015: Ein Klima verändert die Welt

Die Mitwirkenden bei der abschließenden Podiumsdiskussion. Von l.n.r.: Moderator Carsten Kock, Katharina Beyerl, Dr. Robert Habeck, Frank Eisoldt, Prof. Dr. Mojib Latif (mit Mikrofon)

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) lud zum Energieforum 2015 – Ein Klima verändert die Welt im Audimax ein. Expertinnen und Experten referierten über die Auswirkungen des globalen Klimawandels. Mit dabei war unter anderem die »Kieler Klima-Ko­ry­phäe« Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher am Geomar, CAU und diesjähriger Träger des deutschen Umweltpreises.

Vor rund 400 Zuhörerinnen und Zuhörern im fast bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal H im Audimax, wurde den Gästen ein breites Spektrum rund um das Thema Klimawandel geboten. In vier Impulsbeiträgen führte die geladene Referentin und ihre drei männlichen Kollegen die Interessierten in ihre jeweiligen Spezialgebiete ein. Jedes Gebiet eröffnete dabei eine andere Perspektive in das breite Themengebiet. Nach der Veranstaltungseröffnung durch Dr. Norbert Kopytziok, dem Projektleiter »klik – klima konzept 2030« der CAU, begannen die jeweils etwa 15 Minuten kurzen »Klimareisen«:

  1. Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher Geomar, CAU: »Der aktuelle Forschungsstand zum globalen Klimawandel«.
  2. Katharina Beyerl, Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam: »Auswirkungen des globalen Klimawandels in kleinen pazifischen Inselstaaten«
  3. Dr. Robert Habeck, Energiewendeminister des Landes Schleswig-Holstein: »Die Energiewende in Schleswig-Holstein – eine Strategie zum Klimaschutz«
  4. Frank Eisoldt, Kanzler und Zentraler Umweltmanagementbeauftragter, CAU: »Die Vorbildfunktion der Kieler Universität für den Klimaschutz«

Es war ein gelungenes Gemisch. Von der allgemeinen Darstellung zum Stand der globalen Klimaforschung durch Professor Latif, richtete sich der Fokus auf einen Teil unseres Planeten, der häufig aus dem Blickfeld gerät – in den pazifischen Raum mit seinen zahlreichen Inselstaaten und den dort in beträchtlicher Anzahl lebendigen Kulturen, welche in bildreicher Weise dem Publikum näher gebracht wurden. In diesen Paradiesen werden, beziehungsweise sind bereits die Folgen des Klimawandels existenzbedrohend. Minister Habeck führte die Zuhörerinnen und Zuhörer anschließend gedanklich zurück in die heimischen Gefilde. Der Energiewendeminister Schleswig-Holsteins berichtet über die im Vergleich mit allen anderen Bundesländern tatsächlich imposanten Fortschritte im Umbau der Energieversorgung und den daraus resultierenden, großen Beitrag zur Energiewende Deutschlands. Abschließend verkündete der Kanzler der CAU die heutige »Klima-Vision« der vor 350 Jahre gegründeten Universität, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Er beleuchtete die geplanten, beziehungsweise bereits angestoßenen Maßnahmen  im Bereich Energie, Gebäudebetrieb und Mobilität.

Abschließende Bewertung

Grundsätzlich schwang bei allen Vorträgen der Referierenden mehr oder weniger die Hoffnung mit, dass die Weltgemeinschaft die erforderlichen Schritte zur »Weltrettung« bewerkstelligen werde. Dies kann allerdings mit Blick auf unsere Realität nicht mehr als eine Hoffnung sein, denn seit dem im Jahr 1992, vor über 23 Jahren, auf der UN-Klimakonferenz in Rio die Brisanz der Klima-Problematik der Welt vor Augen geführt wurde, hat sich trotz einigen Erfolgen hier und dort mit Blick auf die globale Bilanz nicht viel getan – sogar im Gegenteil. Professor Latif bemerkte dazu, er kenne die Zahlen – die Emissionen steigen weiter.

Gleichzeitig war sich aber wohl jeder im Saal der Tatsache bewusst, dass die Menschheit im Prinzip das Wissen, die erforderliche Technik, die Mittel und die Rohstoffe besitzt, um die weltweite Energieversorgung innerhalb weniger Jahre auf »regenerativ« umstellen zu können und das »Problem Klimawandel« zu den Akten zu legen. Die Frage, warum dies aber nicht geschieht, wurde auch an diesem Abend leider nahezu gänzlich ausgeklammert.

Professor Latif hatte als einziger den Mut eine Andeutung darüber zu machen, warum dieser echte und zudem vernünftige, aus der Einsicht in die Notwendigkeit zu vollziehende, menschliche Entwicklungsschritt ausbleibt. In dem er die irrationale, ständige Kostendiskussion über die Bezahlbarkeit der Energiewende mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereichen der Wirtschaftswissenschaften mit den Worten kritisierte: »Immer heißt es, das kostet zu viel! Wie kann die Rettung der Welt zu viel kosten?« förderte Professor Latif das unserer Meinung nach grundsätzliche Problem kurz zu Tage. Ob Professor Latif es gleichfalls in der Form meinte, wie die Klimarelevant-Redaktion, sei dahingestellt – wir dürfen diesbezüglich offen Goethes Zauberlehrling zitieren: »Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.«

Diese Geister der Menschheit stellen sich als das durch sie selbst erschaffene, vorherrschende, kapitalistische Wirtschaftssystem dar. Dieses zeichnet sich durch seine inneren Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten und den daraus resultierenden, notwendigen Bestandteil, das unablässige Wachstum, für den menschen-gemachten Klimawandel verantwortlich. Ob das auslösende Element mit seinem aufgesetzten Geldsystem gleichzeitig auch das heilende Werkzeug sein kann, ist mit Blick in die Geschichte mehr als zweifelhaft. Das von Professor Latif in seinem Beitrag angeführte Zitat Albert Einsteins bringt an dieser Stelle den zweiten Anstoß zum Nachdenken: »Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.«

Das die Menschheit den Kapitalismus ausgerechnet bereits in den nächsten, für das Klima entscheidenden 5 – 10 Jahren hinter sich lassen wird, ist unwahrscheinlich. Unter dem Strich bleibt es deshalb eigentlich nur weiterhin nach Kräften am Ball zu bleiben und auf ein »Wunder« zu hoffen, ähnlich wie es sich beim doch sehr schnell angestoßenen Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen hat. Diesem Wunder aber lag eine schreckliche Katastrophe als anstoßendes Element zu Grunde – die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Das lässt die Befürchtung durchaus zu, dass vermutlich erst noch weitere Menschen bei bevorstehenden Wetterextremen ihr Leben lassen müssen, bis ein ähnliches Wunder vielleicht auch im Kampf um das Klima die Menschheit die entscheidenden Schritte gehen lässt.

2 Gedanken zu „Energieforum 2015: Ein Klima verändert die Welt

  • 20. November 2015 um 9:40
    Permalink

    Schöner Artikel! Ich habe es leider nicht geschafft zu kommen und bedauer es jetzt eigentlich noch mehr… 😉 Latif ist schon super. Ihr habt ja auch die Seite des deutschen Umweltpreises verlinkt – da ist ein schöner Film über diesen sympatischen Mann zu finden.

    Antworten
  • 19. November 2015 um 16:39
    Permalink

    Ich war ebenfalls dort und auch ich fand die Zusammenstellung der Redner gelungen. Den (L)Kracher des Abends brachte für mich Habeck, als er sich verhaspelte: „Wir kategrro…ääääh, wir katografam… ääääh, wie heist das gleich? Ach was – wir malten also Landkarten…“ 🙂 Schön, dass solch ein Politprofi so natürlich sein kann.

    Ich muss euch übrigens recht geben. Es ist schon absurd. Wir könnten – machen es aber nicht. Ist schon eine ziemlich kranke Welt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.