Spanien: Solarenergie zerschlagen, Atomenergie fördern

Spanische Parlament. Volle Kraft zurück. Foto: © Luis García / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Spaniens konservative Regierung tritt dem Kreis der Realitätsverweigerer bei und kehrt dem Solarstrom den Rücken zu.  Zudem roll sie der Atomindustrie den roten Teppich aus.

Spanien ist ein sonnenreiches Land, an bis zu 300 Tage scheint diese vom Himmel. Im südlichen Spanien locken 3000 Sonnenstunden – das sind etwa doppelt so viele wie in nördlicheren, europäischen Ländern. Somit hat Spanien wie kaum ein Land so gute Voraussetzungen, um Europas Sonnenenergievorreiter zu sein und doch fristet der Solarstrom in Spanien ein Schattendasein.

Ökostrom wird durch die konservativen Regierung ausgebremst, zuletzt mit dem Beschluss einer »Sonnensteuer«, welche die für den Eigenverbrauch erzeugte Energie verteuert. Spaniens größte Tageszeitung El Pais betitelt den jüngsten Beschluss mit: »Die Regierung kehrt der Sonne den Rücken zu«. Nach diesem neuen Gesetz, das von den spanischen Konservativen übrigens gegen den Widerstand aller anderen Parteien durchgesetzt wurde, müssen die ans Stromnetz angedockten Solarenergieerzeuger künftig für ihre selbst produzierte Energie eine Netzunterstützungsgebühr abführen. »Das ist in etwa so, als müsse man Geld dafür bezahlen, dass man im Garten eigene Tomaten anbaut«, vergleicht die Ingenieurgruppe »Kritisches Energie-Observatorium«.

Spanien liegt übrigens schon länger mit der Solarbranche über Kreuz: Nachdem vor zehn Jahren noch allerorten kleine und große Solarkraftwerke im Land boomten, trat Spanien im Jahr 2008 plötzlich auf die Bremse. Die Solareinspeisevergütung wurde immer weiter zusammengestrichen, sogar mit rückwirkendem Effekt. Mit dem Ergebnis, dass fremdfinanzierte Solaranlagen, die auf die versprochenen Hilfen gesetzt haben, nicht rentabel sind. Hunderte Solarparks gingen pleite. Nun läuft vor nationalen Gerichten und Schiedsgerichten eine Klagswelle gegen den Staat.

Während der Solarbranche das Rückrat zerschlagen wird, wird der Atomindustrie der rote Teppich ausgerollt: Die regierenden Konservativen erteilten dem von der linken Opposition geforderten Atomausstieg eine Abfuhr und sagten den Kernkraftwerksbetreibern zu, dass die Laufzeit der bisher schon 30–40 Jahre alten Atommeiler auf bis zu 60 Jahre verlängert werden kann.

Quelle: diepresse.com

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