Konservative in reaktionärer Zeitschleife gefangen

eine Glosse von Klimus

Bewahren sieht anders aus. Erwachsene, vernunftorientiert denkende Menschen prüfen, was es zu bewahren gilt. Von Dingen, auch wenn es sich um lieb gewordene Dinge handelt, die für einen selbst oder andere als schädlich erkannt werden, trennt sich ein vernünftiger Mensch. Konservativen Menschen scheinen andere Maßstäbe zu haben.

Ist weiterdenken so schwer? Polens Jarosław Kaczyński und das Märchen vom Klimaschutz mit Kohlekraft. Foto: © Piotr Drabik / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Zweifelsfrei ist der beschriebene, kritische Blick auf das, was es zu bewahren gibt, eine vernünftige Definition von »bewahren«. Bewahren (der Schöpfung), was ja der Bedeutung des Wortes Konservatismus innewohnt (vom Lateinischen ›conservativus‹ – erhaltend, bewahrend) ist aber das genaue Gegenteil von dem, was Konservative tun – in den USA sowieso, aber auch in Europa ist es nicht anders: Statt erwachsener Handlungsweise wird das, was ruinös (für die Schöpfung) ist, schön geredet, weil eben dieses Schädliche leider gleichzeitig irgendwelche, zumeist materielle Vorteile für den Konservativen sichert. Sämtlicher Blick auf langfristigen Folgen der eigenen Handlungsweisen werden dann radikal ausgeblendet. Ob krebserzeugende Abgase, das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier, ob Kunststoffmüllschwemme in den Ozeanen und in ihren Speisefischen, die allgemein unfassbare Ausmaße angenommene Umweltzerstörung oder wenn schon denn schon auch gleich die Vernichtung der Lebensgrundlagen weiter Teile der Erde selbst, wird vom Konservativen einfach mal so »zack zack« verzockt, wenn nur die eigenen, kurzfristigen, finanziellen Vorteile und die damit verbundenen Annehmlichkeiten gesichert bleiben. All diese Dinge interessieren diese rückständige Korona einfach nicht, ja schlimmer noch, sie weigern sich wie kleine Kinder überhaupt einmal darüber nachzudenken, ob ihre Art zu leben, ihre Wirtschaftsweise, welche nicht auf Vernunft sondern auf Raffsucht aufbaut, an all dem Unglück, welches unsere Kinder ausbaden werden müssen, Schuld ist. Und wofür das alles? Schauen Sie sich doch einmal an, mit was für einem Dreck (dafür gibt es wirklich oft kein anderes Wort) uns ihre Konzerne und Unternehmen erlauben zu bedienen! Lesen Sie doch einmal die Testberichte einer Ausgabe der Ökotest. Irgendeiner Ausgabe. Es ist egal welche. Es ist ein einziger Horrorladen, in dem wir leben. Seit erscheinen dieser Zeitung Ende der 1980er Jahre, hat nach fast jeder Ausgabe ein Unternehmen die Ökotest wegen ihrer schonungslosen Offenlegung in ihren Testberichten, mit welcherlei Giften wir in oder bei diesem oder jenem Produkt vergiftet werden, verklagt – alle sind sie gescheitert, die Zeitung gewann alles. Das ist unsere Realität.

Konservative bezeichnen sich demnach also nur als »Konservative«, sind es aber gar nicht – sie sind das Gegenteil. Die Schöpfung, oder überhaupt etwas allgemeingutes zu bewahren ist nicht das Ergebnis ihres Handelns. Sie reden von Arbeitsplätzen und meinen ihren Gewinn – ganz gleich wie dieser zusammengerafft wird.

Ganz aktuell will sich in Polen Jarosław Kaczyński nach dem Wahlsieg seiner nationalkonservativen Partei (PiS) gegen die Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union stellen. Bereits zwei Tage vor der Wahl hatte er in einem Interview gesagt, dass nicht die Flüchtlingskrise, sondern das Klimapaket der EU das schwierigste Thema in Europa sei. Die Partei setzt sich offen dafür ein, die Kohleindustrie stärker zu fördern und neue Kohlekraftwerke zu bauen. Mit breiter Brust unter Volldampf weiter in die Klimakatastrophe – das ist konservative Vernunft. Konservative Vernunft kennt nur eines: Kohle, Kohle, Kohle – und das im doppelten Sinne: Am wichtigsten für die Energiewirtschaft Polens sind fossile Brennstoffe, die Stromerzeugung des Landes beruht zu 88 Prozent auf Kohle. Nur elf Prozent des Stroms kommt aus erneuerbaren Energien. Deshalb versucht Polen, die EU beim Klimaschutz zu bremsen, denn auf echte Vernunft umzusteigen – also regenerative Energien – wäre zu teuer und würde Gewinne schmälern. Stattdessen werden Luftschlösschen gebaut und irgendwelche nebulösen Phrasen in die Welt geblasen, wie beispielsweise die Forderung Kaczyński andere Wege zu finden, um die Umweltverschmutzung zu senken und dem weltweiten Klimawandel entgegenzuwirken. Was das aber sein könnte? Heiße Luft…. Nein, nicht ganz – gern wird versucht den regenerativen Industriezweigen das zuzuschieben, was den eigenen Antrieb darstellt – ihre eigene Marktposition zu stärken. Ein vierjähriges Kind durchschaut solcherlei lächerliche Sandkastenspielchen.

Konservative Sprachrohre haben weder Argumente noch verspüren sie das kleinste Schamgefühl selbst die absurdesten Zusammenhänge zu konstruieren. Da wird heute beispielsweise von fehlener Energiedichte bei Elektrofahrzeugen gefaselt und weiterhin die ruinöse Verbrennertechnik protegiert – nicht nur, dass dies natürlich Nonsens ist, die Eingangs aufgezählten negativen »Begleiterscheinungen« der fossilen Energieträger werden dabei einfach komplett ausgeblendet und über Bord geworfen. Diese Begleiterscheinungen stehen dem »Kohlemachen« im Wege und daher gibt es diese Begleiterscheinungen für diese Eremiten eben einfach nicht. Oder für diese konservativen Gehirne ist es aus irgendwelchen, logisch nicht nachvollziehbaren Gründen vollkommen irrelevant, dass die Lebensgrundlagen aller Lebewesen auf diesem Planeten zerstört werden. Nach dem immer gleichen Strickmuster werden stets einzelne, ihren Interessen förderlich erscheinende Fragmente aus dem Gesamtzusammenhang gerissen, herausgepickt und isoliert und nicht selten zudem verfälscht gebetsmühlenartig wiedergekäut. Ganz nach dem Motto, irgendwas bleibt schon hängen, treiben sie Teile der seriösen Wissenschaft vor sich her, die immer wieder genötigt werden, sich zu erklären.

Dabei muss das die Wissenschaft gar nicht. Es ist für einen jeden denkenden Menschen schon absurd genug, sich mit solcherlei Sonderlingen auseinandersetzen zu müssen, nur weil diese immer wieder nach Lust und Laune neuen Hokuspokus hervorzaubern, um ihre Ignoranz vor sich zu rechtfertigen. Für die Fachfrauen und Fachmänner aus der Klimaforschung hingegen spräche aber allein die Realität: Die Erkenntnisse des heutigen, klimawissenschaftlichen Konsens beruhen auf Jahrzehnten von Forschungsarbeit und Tausenden von Studien. Dieser außerordentliche Konsens darüber zeigt sich in den Stellungnahmen zahlloser internationaler und nationaler Fachgremien, die sich ausführlich und kritisch mit der wissenschaftlichen Beweislage befasst haben. Neben den bekannten Berichten des IPCC gibt es Stellungnahmen der amerikanischen National Academy of Sciences, der American Geophysical Union (AGU – die weltweit größte Organisation der Geowissenschaftler), der World Meteorological Organisation (WMO), der meteorologischen Organisationen vieler Länder (u.a. eine gemeinsame Erklärung der deutschen, österreichischen und schweizerischen meteorologischen Gesellschaften) oder des wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU). Alle diese Gremien sind in den Kernaussagen immer wieder zum selben Ergebnis gelangt und es ist praktisch undenkbar, dass sie durch einige neue Resultate auf einmal umgestoßen werden könnten.

Nur leider akzeptieren Konservative die Realität nicht.

2 Gedanken zu „Konservative in reaktionärer Zeitschleife gefangen

  • 30. Oktober 2015 um 10:23
    Permalink

    @Line:
    Deine Fragen kann mal wohl beide mit „ja“ beantworten.

    Auch wenn der Beitrag schon sehr markig ist, aber im Grunde kann man der Kernaussage schon zustimmen, denn die Industrieländer haben unbestreitbar gegenüber den weniger industriegeprägten Ländern den Bärenanteil der Umweltzerstörung zu verantworten. Produziert wird alles notwendige, aber eben auch Dinge die keiner braucht oder nicht so oft wieder neu braucht, nur um Wachstum zu generieren – und das eben in einem Maß, bei dem man sich an den Kopf fasst. All dies wird mit rücksichtslosem Raubbau und der Verwüstung der Umwelt und als eine Folge davon der Klimawandel erkauft – von Vernunft ist hier wirklich nicht sonderlich viel zu erkennen. Und zu all dem stehen die Konservativen, die für diesen Weg stehen.

    Und wenn man sich anschaut, wie selbtgerecht diese notorischen Besserwisser in Foren usw. auftreten, dann kann einem das schon die Sprache rauben. Das ist nicht nur oft unwissend, das ist häufig einfach nur dumm. Für Konservative fahren alle in der Zukunft wieder in Kutschen (habe ich tatsächlich in den Kommentaren des verlinkten Artikels gelesen!) und werden ins vorigige Jahrhundert zurückversetzt, wenn zukünftig ökologisch und nachhaltig gewirtschaft wird. Als wenn Nachhaltigkeit irgendetwas mit weniger Entwicklung zu tun hätte – das Gegenteil ist eindeutig der Fall.Was soll man da noch sagen, als sich über solche Heinis lustig zu machen. Ich glaube, die würden einen Schock bekommen, wenn sie sich wirklich einmal mit einem Elektroauto beschäftigen würden und mal in den Foren der E-Mobil-Fahrern ein bisschen stöbern würden – die Lachen nämlich tatsächlich über die armen Tröpfe, die immer noch in ihren Verbrennern sitzen mit all ihrer Lautstärke, Reperaturanfälligkeit und vor allem ihren widerlichen Abgasen. Logisch sind E-Antriebe die Zukunft, vor allem, wenn die Energie für den Betrieb bald zu 100 % vollkommen sauber oder ohne jahrtausende strahlenden Müll hergestellt wird (wenn die Energiewende durch die Konseravtiven nicht noch verhindert wird – sie arbeiten ja fleißig daran). Die schnellsten Züge, Straßenbahnen, Busse etc. fahren lokal emissionsfrei, bei erfolgreicher Energiewende sogar nahezu komplett. Zu behaupten, diese Technologie wäre nicht die Zukunft zeigt deren Realitätsverleugnung.

    Hier in den Niederladen sind die Menschen was den aktiven Umweltschutz angeht schon um einiges weiter. Ich kann nur jedem empfehlen mal rüber zu kommen. Aber Achtung – die 5 Meter breiten Wege sind keine zusätzlichen Straßen, sondern Fahrradwege.

    Bye voor nu,
    Nils

    Antworten
  • 29. Oktober 2015 um 19:21
    Permalink

    Oh Klimus, da hast du ja wohl einen ganz schlechten Tag gehabt. Oder war es am Ende doch ein guter?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.