Alltägliche Absurditäten – Kommentar

von Klimus

Die internationale Automobilausstellung 2015 ist seit knapp 3 Wochen Geschichte – die alltäglichen Absurditäten sind es nicht.

blendwerk

Blendwerk. Autoindustrie und Politik und das Märchen vom Fortschritt. Foto: © RudolfSimon / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Es beleidigt meine Intelligenz, wenn sich Zeitgenossen wie Dr. Dieter Zetsche (Daimler AG), Harald Krüger (BMW Group), Jürgen Schrempp bzw. jetzt Matthias Müller (Volkswagen AG) und Prof. Rupert Stadler (Audi AG) in Interviews oder zuletzt auf der IAA hinstellen und mir was von intelligenten Technologieprodukten mit maximalem Coolness-Faktor, von Spitzenprodukten deutscher Entwicklerkunst erzählen wollen. Sie geben das wieder, was ihnen pferdeschwänzige Marketingstrategen und Designer täglich vorsalbabern – es ist für sie Wirklichkeit geworden. Aber wohlbemerkt, wir reden hier von Automobilen mit Verbrennungsmotor!

Seit etwa 10 Jahren ist es Realität, dass wir über Antriebe verfügen, die weder die Umwelt noch die Gesundheit von Mensch und Tier zerstören – die Verbrennungsmotoren, die seit dem 19. Jahrhundert die Mobilität garantierten, hätten seit dem zunehmend dahin verfrachtet werden können, wohin sie gehören – auf den Müllhaufen der Geschichte, denn sie haben ihren Dienst auf dem damaligen Stand der Entwicklung getan. Sicher, auch heute kann man noch hier und da Verbrennertechnik verwenden – das KFZ allerdings gehört definitiv nicht mehr dazu. Tesla zeigt uns allen heute ungerührt den Stand der Technik mit ihren Elektrofahrzeugen – nahezu lautlose, emissionsfreie Fortbewegung mit locker 500 km Reichweite. Damit auch dem letzten klar wird, wie rückständig Verbrenner-Automobile sind zitire ich einmal (ausnahmsweise) Tesla: »Der zukunftsweisende Tesla Elektroantrieb begeistert durch seine unglaubliche Dynamik. Im Gegensatz zu Benzinmotoren, bei denen sich Hunderte von Teilen drehen und bewegen, kennen Tesla Elektromotoren nur ein Teil, das rotiert: den Rotor. Da stets das volle Drehmoment anliegt, beschleunigt das Model S über den gesamten Geschwindigkeitsbereich mit gewaltigem Vortrieb, aber leise und gleichmäßig. Ein beherzter Druck auf das Beschleunigungspedal und die leistungsstärkste Version des Model S sprintet in rekordverdächtigen 3,0 Sek. von 0 auf 100 km/h – ohne Zögern oder einen Tropfen Benzin. Das Model S präsentiert sich damit zurecht als neueste Evolutionsstufe im Automobilbau.« Wer diese Realität nicht kennt, sollte den Link wirklich einmal anklicken und sich anschauen, wie alt unsere Auto-Konzern-Großkopferten wirklich sind.

Natürlich haben auch die eingangs erwähnten Konzerne E-Fahrzeuge in der Palette, aber leider nur deshalb, weil sie damit hoffen die bald gültigen neuen, niedrigeren Emissionswerte (es gilt der Durchschnittswert aller Fahrzeuge in der jeweiligen Konzern-Palette) auf dem Papier so zurecht drücken zu können, damit sie den Milliardenstrafen bei Nichterfüllung der Werte entgehen – von verkaufen hat niemand etwas gesagt. Absichtlich und künstlich werden die E-Fahrzeuge deshalb für den interessierten Käufer teuer gehalten, obwohl sie in der Produktion sogar günstiger sind, als die antiquarischen Verbrennermodelle – die ARD-Dokumentation »das Märchen von der Elektromobilität« legt diese Fakten glasklar auf den Tisch. Möglicherweise hätte die Elektromobilität sogar eine Chance in der Autoindustrie, wenn diese Technologie neben der positiven Umwelt- und Gesundheitsaspekte nicht auch noch viel wartungsärmer als die Verbrennertechnik wäre: Auf regelmäige Zahnriemenwechsel, das Tauschen von diversen Dingen wie Zündkerzen, Zündverteiler, durchgerostete Auspuffanlagen, kaputte Lambdasonden, Luftmassenmesser usw. will man aber nun mal nicht verzichten und die guten Verbindungen zu den Verantwortlichen der Öl-Industrien will man ebenso nicht aufgeben – schließlich kennt man sich gut.

Sascha Lobo hat im Spiegel geschrieben, dass es »seit vielen Jahren absehbar ist, dass die Optimierbarkeit von Verbrennungsmotoren an ein Ende gelangen wird: Es gibt schlicht kein Null-Liter-Auto auf Benzinbasis. Die Lösung ist ebenso lange bekannt, nämlich Elektroautos, die in Verbindung mit effizienten Akkus und erneuerbaren Energien den Schadstoffausstoß fast irrelevant machen.« So sieht die Realität aus. Und was bieten uns unsere Konzerne? Antiquierterten Verbrenner-Technologie, die mit allen möglichen Tricks (auf den Abgas-Skandal will ich hier gar nicht mal eingehen, weil diese und andere Tricksereien längst bekannt sind) als »Technologieprodukt« verkauft werden soll und die bedauerlicherweise immer noch zu viele kaufen. Oder mit anderen Worten: Egal wie sehr ihr euch bemüht mit euren regelmäßigen Facelifts, Assistenz-Systemen und anderem Schnick-Schnack – all diese Verbrenner-Kisten bleiben stinkender, Umwelt-, Klima- und krankmachender Schrott mit der grundlegenden Technik aus dem 19. Jahrhundert mit der ihr meine Intelligenz beleidigt. Und ja, auch eure lächerlichen Hybrid-Lösungen gehören dazu.

Ihr seid keine »Macher«, die es »geschafft« haben, ihr seid Witzfiguren, mitsamt euren peinlichen, schweren Limousinen und SUV. Das einzige, was ihr geschafft habt ist, dass ihr dafür verantwortlich seid, dass die vorigen und unsere Generation eine Klimakatastrophe erschaffen haben, für deren Folgen euch unser aller Kinder später einmal am liebsten noch die Hälse umdrehen würden – wenn ihr zu diesem Zeitpunkt nicht schon längst dem normalen, biologischen Ablaufplan folgend Geschichte sein würdet und somit für das Befriedigen von Rachegelüsten der Nachfolgegenerationen nicht mehr verfügbar seid.

Genaugenommen ist das Handeln der Verantwortlichen kriminell. Trotz Alternativen aus reiner Profitgier bewussten Auges diesen riesigen, irreparablen Schaden anzurichten und die Lebensgrundlagen aller zu zerstören – wie soll man sowas sonst bezeichnen? Die Osterinseln lassen grüßen. Meine Kinder haben die Realität indes bereits begriffen und so bekommen diejenigen, die während wir vergnügt unsere Wege mit dem Fahrrad ›erleben‹, in besonders dicken Verbrennern an uns vorbeistinken, so manches mal den kindlichen »Daumen nach unten« gezeigt oder auch mal ein fluffiges »Klimazerstörer« hinüber geschmissen. Die Reaktionen der Steinzeitler in ihren Panzern sind nicht selten allzu interessant: Mit ungläubigen Staunen wird zumeist registriert, dass sie verlacht und abgelehnt werden – ausgerechnet sie, wo sie doch so einen teuren Panzer fahren! In schweren Panzern wird man nicht nur in Deutschland doch eigentlich bewundert oder gar beneidet – wofür sonst geben sie so viel Geld aus? Man merkt und sieht es ihnen an, sie begreifen es noch nicht, oder besser, sie wollen es noch nicht wahr haben, dass sie eigentlich nichts als erbarmungswürdige, kleine Figürchen sind.

Aber nicht nur meine Kinder begreifen die realen Absurditäten um uns herum zunehmend – immer mehr tun dies. Langsam aber stetig ändert sich die Sichtweise in unserem Lebensumfeld. Aber es gibt eben auch noch den Nachbarn einige Häuser weiter, der seinen einen Kilometer kurzen Arbeitsweg mit seinem Midlife-Crisis-Audi TT bewältigen muss. Hier müssen wir unbedingt mal die Software austauschen – vielleicht kann uns dabei ja VW helfen?

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